Den Naziladen in Freiberg schließen! Jetzt!

Ladenschluss jetzt !
Kein Raum für nationalistische und rassistische Propaganda

„Waffen Army Shoes“ – nur ein Bekleidungsgeschäft?

geschrieben von der antifaschistischen Gruppe Freiberg:

Text?

Mitten in der Freiberger Innenstadt auf dem Schlossplatz 1 liegt der Laden „Waffen Army Shoes“. Im Sortiment des Ladens findet man aber nicht nur „warme und strapazierfähige Kleidung“, wie der Inhaber Tobias Schneider einmal in einem Zeitungsartikel sein Sortiment beschrieb. Im Laden lässt sich eine ganze Reihe von neonazistischen Devotionalien finden. Von T-Shirts ,Aufnähern und Aufklebern mit rassistischen und nationalistischen Motiven wie „White Power“, „88“ (steht für Heil Hitler), „Zyklon B“ über Logos von bekannten Neonazibands wie „Störkraft“ und „Landser“ findet sich alles was das braune Herz höher schlagen lässt. Den meisten Umsatz dürfte Schneider aber vermutlich mit der Kleidungsmarke „Thor Steinar“ machen, deren Logo auch auf seinem Ladenschild prangt.



Was ist „Thor Steinar“ ?

Der Trend der Nazis weg vom Skinheadoutfit ist nicht zu übersehen. Die Kleidungsmarke „Thor Steinar“ kommt da natürlich wie gerufen. Sie stellt unter Neonazis beliebte Pullover, T-Shirts und Jacken, sowie verschiedene Accessoires her. Thor Steinar gelingt dabei die Synthese von aktuellen Modetrends und Motiven, die an völkische, nationalsozialistische, mythologische und kolonialistische Symbole anknüpfen. So findet man neben Aufdrucken von Runen, welche meist auch im Nationalsozialismus Verwendung fanden, und den Namen nordischer Gottheiten auch Namen von SS-Divisionen und Abbildungen von deutschen Kampfflugzeugen und der V2-Rakete. Die Marke ermöglicht es Nazis, sich stilvoll in hochwertiger Qualität zu kleiden ohne auf völkische Symbolik zu verzichten. Die mehrdeutigen Aufdrucke helfen Nazis auch, nicht immer gleich als eben diese erkannt zu werden, da die Symbolik meist nur Kenner_innen der Szene geläufig ist. Für die Träger_innen der Marke ist vor allem die identitätsstiftende Funktion das Wichtige. Die Identität ist Teil eines Lifestyles und einer Subkultur, die ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl schafft. Durch diese Funktion werden Menschen an die Ideologie des Nationalsozialismus herangeführt. Registriert wurde die Marke „Thor Steinar“ 2002 von Axel Kopelke. Seit 2003 wird sie durch die Firma „Mediatex GmbH“ mit Sitz in Zeesen/Brandenburg vertrieben.Der Geschäftsführung werden von lokalen Antifaschist_innen Verbindungen zur rechten Szene nachgesagt. So wurde Kopelke in der Vergangenheit bei völkischen Sonnwendfeiern, einem Liederabend mit dem Nazi-Barden Frank Rennicke und bei einer NPD-Reichsgründungsfeier gesehen. Die Käufer_innen von einer Marke wie „Thor Steinar“ müssen sich bewusst werden das sie wissentlich oder unwissentlich einer rassistischen und menschenverachtenden Ideologie Vorschub leisten.

Nur ein Geschäftsmann?

Tobias Schneider, der Inhaber des Waffen Army Shoes, gibt sich selbst gern als braven und unpolitischen Geschäftsmann. Den Verkauf von Neonazi-Kleidung rechtfertigt er einfach damit das er ja auch „linke“ Artikel wie Che Guevara T-Shirts und Anstecker gegen Faschismus verkauft. Das sich mittlerweile auch Nazis mit dem Konterfei Che Guevaras schmücken dürfte auch Schneider bekannt sein. Auf die Frage der Redaktion der alternativen Stadtzeitung FreibÄrger, ob er sich denn persönlich von der rechten Szene distanzieren könne, konnte er keine eindeutige Antwort geben und flüchtete sich in Ausreden. Am Ende meinte er dann: „Ich stehe dazu, ich bin stolz ein Deutscher zu sein. Wir haben Bismarck gehabt, wir haben den deutschen Kaiser gehabt. “Wie sich diese Reihe fortsetzten lässt kann sich jede_r denken. Selbst auf eine kleine Anfrage der Linkspartei im Landtag hin listete das sächsische Innenministerium den Freiberger Laden von Schneider als „rechtsextremistisch“ in seiner Antwort auf.
Das Schneider nur ein „unpolitischer“ Geschäftsmann ist, scheint also sehr zweifelhaft. Das bestätigte sich auch wieder als Antifaschist_innen im Dezember 2007 vor seinem Laden eine Kundgebung abhielten. Schneider fuhr mit einem Auto vor, auf dessen Heckscheibe der große Schriftzug „Zyklon B“ prangte, der Name des Giftstoffes, mit dem im Nationalsozialismus Millionen Menschen in Gaskammern ermordet wurden. Schneider stellte auch die Kampagne „Schöner Leben Ohne Naziläden“auf eine Stufe mit dem Nazislogan „Kauft nicht bei Juden“. Anscheinend sind für Schneider Kampagnen, die sich gegen neonazistische Strukturen im Alltag richten, dasselbe wie antisemitische Diskriminierung und Ausgrenzung aufgrund konstruierter Rassenzugehörigkeit, die mit der industriellen Massenvernichtung von Millionen Menschen endeten.

Neben dem Geschäft in Freiberg unterhält Schneider noch eine Filiale in Chemnitz. Deren Umzug auf die Straße der Nationen nahmen ca. 800 Antifaschist_innen zum Anlass, bei einer Demonstration über den Laden aufzuklären. Im Zuge des Umbaus des Schlossplatzes wird auch der Laden in Freiberg im Mai umziehen müssen. Ein Anlass für uns der Verbreitung von menschenverachtendem Gedankengut entschieden entgegenzutreten. Schneider ist mit seinem Geschäft aktiv daran beteiligt, rassistische und nationalistische Ideologien in der Gesellschaft zu verfestigen und macht sich und seinen Laden somit selbst zum Ziel antifaschistischer Interventionen.

Uns ist aber auch klar das nicht nur Naziläden und ein entsprechender Lifestyle das Problem sind, es sind viel mehr die vorherrschenden Verhältnisse die nationalistische, rassistische und antisemitische Denkweisen immer wieder aufs neue reproduzieren und das nicht nur am rechten Rand, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft.

Wer sich intensiver mit Thor Steinar auseinandersetzen möchte findet auf der Internetseite mehr Informationen:
www.investigatethorsteina.blogsport.de

Antifaschistische Gruppe Freiberg , März 2009


Auslage im Laden

Auslage im Laden (2)

Tobias Schneider vor seinem Laden (während einer Protestkundgebung)

(gefunden hier: http://afg.blogsport.de/2009/04/17/ladenschluss-jetzt/)


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