Archiv für August 2009

Historical Backspin Colditz

Colditz goes 90er Jahre:

Antirassistische Fußballturnier in Colditz verboten. Bürgermeister und Polizei üben sich in Repression und Relativierung

Anfang der 90er, kurz nach dem Mauerfall, brach sich der deutsche Nationalismus Bahn. Offen ausgetragener Rassismus und Nationalismus auf den Straßen der neuen Bundesländer waren an der Tagesordnung. Die (bisherige) maximale Ausprägung: Rostock-Lichtenhagen. Nazis führten das aus, was die breite Bevölkerung (zunächst nur) zu denken wagte und schritt dann auch selbst zur Tat.

Mehr als 20 Jahre später und kein Stück besser, sind die Einstellungsmuster noch immer die gleichen. Die gewaltvolle Ausführung dessen, was von der Mehrheitsbevölkerung gedacht wird, wird durch einen normativen (Staats)Antifaschismus (a la Nazifreies geläutertes Deutschland) mäßig unterdrückt.

Heute: Die Tendenzen der letzten Jahre in der ostdeutschen Provinz (und auch in den Großstädten) zeigen aber deutlich, dass sich da aber auch gar nichts verändert hat. Nazis jagen und verprügeln alles was nicht „Volksgemeinschaft“ sein will. Die Bevölkerung…nun ja, das hatten wir schon. Die Verantwortlichen üben sich in Relativierung und Ablenkung von den „Vorkommnissen“. Als „Gegenmaßnahme“ wird dann erstmal der alternative Jugendclub dicht gemacht, denn der ist ja auch wirklich nur Provokation für die Nazis „Jungs und Mädels“ aus unserem Dorf.

Und wird heute mal eine Projektwoche veranstaltet, die die deutschen Zustände thematisieren will, dann…riecht es verdammt nach den 90ern.

Es ist nun offiziell:

Der Colditzer Bürgermeister untersagt in Zusammenarbeit mit der Polizei das antirassistische Fussballturnier am 22.August auf dem Colditzer Sportplatz eine Woche vor der Durchführung! Aufgrund von befürchteten Randalen und Sachbeschädigungen kündigt die Stadt Colditz ihren Mietvertrag des Colditzer Sportplatzes mit den Organisatoren des alternativen Fussballturniers, bei dem u.a. Organisationen, wie „Meine Stimme gegen Nazis“ und Gruppen/Vereine, wie der „Freiräume Muldental“ als Initiator und die „Gruppe 468“, sowie der „Courage e.V., das Ndk Wurzen u.v.m. mitwirkten. (mehr…)

„Hände hoch – Haus her“ – Erfurter Bündnis

Nach der Räumung des besetzten Hauses am 16. April fehlt in Erfurt ein Platz für unkommerzielle Kultur- und Informationsveranstaltungen. Deshalb tritt die Kampagne „Hände hoch, Haus her. Für ein selbstverwaltetes Zentrum in Erfurt“ seit einigen Wochen für die Schaffung von selbstverwaltenen Räumen ein.

Check out:
>>http://haendehoch.blogsport.de/< <
>>http://de.indymedia.org/2009/08/258189.shtml< <

Hände hoch, Haus her! Für ein selbstverwaltetes Zentrum in Erfurt

Dresden | Aktion der ver.di-Jugend!

Text?

Die Wahlplakate der NPD in der sächsischen Landeshauptstadt waren das Ziel der ver.di Jugend, die am Donnerstagabend mit einem kreativen Einsatz den Landtagswahlkampf der rechtsextremen Partei störte. Mit ihrer „Adbusting“ genannten Aktion nahm die Gewerkschaftsjugend die für die Landtagswahl Ende August geklebten Wahlplakate aufs Korn. „Handschellen für uns Ganoven“, „Vernunft statt NPD“ oder „Höchststrafe für Inder-Schänder“ war in Dresden zu lesen.

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Polizeiübergriff auf die „Alte Schmiede“ Rochlitz

Text?

In der Nacht von Freitag zu Samstag (vom 7.August zum 8.August 2009) kam es im Szenejugendclub Rochlitz „Alte Schmiede“ zu einem schweren Übergriff.

Circa 50 Menschen stürmten Samstag früh, um circa 2:30 Uhr, den Jugendclub und brachen das große Eingangstor mit Eisenstangen auf und gingen gegen die dort befindlichen Personen äußerst brutal und ohne Rücksicht auf Geschlecht, Tiere und Privatsachen vor. Im Nachgang stellte sich heraus, dass es sich bei den Personen um Polizeibeamte der Direktion Chemnitz-Erzgebirge handelte. Alle Besucher des Szeneclubs wurden umstellt und erkennungsdienstlich behandelt, Abfotografiert und bekamen Platzverweise ausgesprochen. Mit Äußerungen wie:

Nur Scheiße sieht so aus wie ihr.

und:

Zecken, Ausländer – Plage bleibt Plage.

,stellten die Beamten ihr Niveau unter Beweis. Die Frage nach dem Grund des Vorgehens der Prügelhorde wurde nicht beantwortet. Erst jetzt stellte sich heraus, dass in derselben Nacht der Plakate-Bus der NPD-Nazis beschädigt wurde und man die unbekannten „Sachbeschädiger“ im Jugendclub vermutete, weil dieser links sei und sich in der Nähe befindet.
Man stellte sich vor, neben so einem kaputten Nazi-Bus steht eine jüdische Synagoge, ein Asylbewerberheim, ein Büro der Linkspartei – nicht auszudenken mit welcher Freude die Beamten dort vorgehen würden?!
Dies ist aber nicht das erste Mal, dass Polizisten in Rochlitz gegen Minderheiten vorgehen. Erst vor ca. 1 Monat kam es im Bereich der Sparkasse zu einem Übergriff der Polizei gegen Linke, nachdem diese von Nazis angegriffen wurden. Die Polizei streitet die Anwesenheit der Nazis ab. Scheut man sich aber die Beiträge bzw. die Kommentare auf mittelsachsen.org an, wird klar, dass sehr wohl Nazis am Tatort anwesend und aktiv waren!

Diese Verschleierungs- und Einschüchterungstaktik der Polizei ist Anbetracht der deutschen Geschichte skandalös.
In Zukunft muss von allen Genossen, Aktivisten und Antifaschisten äußerste Aufmerksamkeit und eine neue Art des Zusammenstehens entwickelt werden, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Für eine freiheitliche solidarische Gesellschaft!

Vogtland: Kein Naziproblem?!?

Aus dem Blog der Elsterpiraten!

Text?

Lange Zeit nichts passiert im Vogtland, so könnte man denken. Doch die Rechte Szene ist hier weiterhin aktiv. So gab es zwischen Mai und Mitte Juli einige erwähnenswerte Vorfälle im thüringischen Teil des Vogtlandes. Nach einer Antifaschistischen Kundgebung in Netzschkau (Sachsen) am 16.05.09 gegen die Eröffnung des Naziladens Nordlicht, kam es im nur wenige Kilometer entfernten Greiz (Thüringen) an jenem Abend zu Angriffen auf nicht rechte Menschen. Wie sich später heraus stellte, nutzten Nazis eine Geburtstagsfeier in Greiz um zum Teil vermummt durch die Innenstadt zu ziehen, nach politischen Gegnern, Punks und all jenen die nicht in ihr Weltbild passen zu suchen. Es kam zu Pöbeleien, ein Mensch wurde verprügelt.

An diesem Abend wurden die Personalien von 39 aus der Rechten Szene stammenden Personen aufgenommen. Zufall oder nicht, die Eröffnung des Szeneladens und die Geburtstagfeier fanden am selben Tag statt. Beide, „Jungkapitalist“ und „Geburtstagskind“ sind Mitglieder im NPD Kreisverband Greiz. Der OTZ, einer lokalen Tageszeitung, waren die Vorgänge an jenem Samstag auch eine Meldung wert. Der rechte Hintergrund konnte nicht verschwiegen werden, da es an diesem Abend zu gehäuften Anrufen besorgter Bürger bei der Polizei kam.

Am 22.05.09 wurden in Berga, einer kleinen Stadt bei Greiz mehrere linke Jugendliche auf dem Heimweg von Nazis angegriffen. Da es schon dunkel war und die Angreifer vermummt waren, konnten die Angegriffenen keine Personen eindeutig identifizieren. Es sollte nicht der letzte Vorfall in Berga bleiben. Auch von dem Vorfall am 22.05 konnte man in der OTZ lesen. Der politische, rechtsextreme Hintergrund wurde allerdings verschwiegen.
Bereits vor einem Jahr attackierten Nazis einen Punk vor einer Diskothek in Berga, auch hier wurde der politische Hintergrund ausgeblendet.

Nur wenige Tage später, am 24.05.09 schlugen Rechtsextreme einen jungen Mann an einer Tankstelle in Greiz zusammen, einfach mal so. Ein eindeutiger politischer Hintergrund war in diesem Fall nicht erkennbar, aber das hohe Gewaltpotential jener Freien Kräfte um den NPD Kreisverband Greiz schon.
Das folgende Wochenende hielt wiederum ein gesteigertes Maß an Rechten Aktivitäten parat. Für den 29.05 stand die Wiedereröffnung einer Kneipe in Greiz an, dem Roadhouse. Hier fand jene oben schon erwähnte Geburtstagsfeier am Wochenende zuvor statt. An diesem Abend sorgte ein auffällig großes Polizeiaufgebot in der „Perle des Vogtlandes“ für ein sicheres Gefühl.
Für Berga kündigten sich gerüchteweise die Nazis an. Dass dies nicht nur ein Gerücht blieb, zeigte sich am Pfingstsonntag. Mit einem Großaufgebot aus Bereitschaftspolizei wurde in Berga verhindert, dass es zu Auseinandersetzungen zwischen Rechtsextremisten und Alternativen kommt. Größere Nazigruppen provozierten an diesem Abend immer wieder. So versuchten sie den jährlich stattfindenden Sportlerball in Berga zu stören, trotz Polizeigroßaufgebot gelang es den Nazis immer wieder einzelne vermeintlich Linke und Punks in Berga verbal zu attackieren. Die Öffentlichkeit wurde nicht über diese Vorgänge aufgeklärt. Scheinbar nicht interessant genug, an diesem Abend wurden die Personalien von 94 der Rechten Szene zugehörigen Personen aufgenommen.
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