Quelle: Indymedia
Dieser Bericht bietet eine komplette Übersicht und versucht, den mehr als weitreichenden Komplex des Arbeitskampfes der FAU Berlin und das noch weitergehende jetzige de-facto-Gewerkschaftsverbot und seine Hintergründe möglichst linear darzustellen. Er resümiert die wichtigsten Geschehnisse im Arbeitskampf chronologisch, bietet Einsichten in die Zusammenhänge, beleuchtet die juristische wie die politische/syndikalistische Dimension und lässt die Beteiligten aus dem Babylon selbst zu Wort kommen, die ihre Sicht noch einmal eindrucksvoll darlegen. Wir hoffen das Fragen, wie das „wozu und warum das Ganze?“ im Nachhinein klarer gesehen werden können. Am Ende finden sich Verweise auf, und ein Überblick über bereits geplante Ereignisse in und um die Aktionstage der FAU Berlin für Gewerkschaftsfreiheit. Ein Exklusiv-Beitrag für Indymedia.
1. Eine Einleitung (und letzter Stand)
2. Am Anfang war das Nichts…
2.1. Die Schraube wird angezogen – der Boykott
2.2 … und dann die einstweilige Verfügung
3. Notizen zu den Akteuren
3.1. Die Rolle von Köhn und der Berliner ver.di
4. Das Verbot – von den Geistern, die sie riefen
4.1. Die Juristische Betrachtung
4.2. Eine syndikalistische Betrachtung
4.2.1. Wer ist hier gelb?
4.2.2. Mythos Einheitsgewerkschaft
4.2.3. Mehr als nur eine Lohnfrage
4.2.4. Deutsche Traditionen beenden!
5. Der Blick über den Tellerrand – internationale Solidarität
6. Ein Jahr Arbeitskampf im Babylon – ein Rückblick von innen – Ein Beitrag der Babylon-Mitarbeiter aus der Betriebsgruppe
1. Eine Einleitung
Das Jahr 2009 war ein turbulentes Jahr für die FAU Berlin – an dessen Ende das Verbot von Arbeitskampfmaßnahmen im Babylon sowie der Selbstbezeichnung „Gewerkschaft“ und „Basisgewerkschaft“ stand. Zuvor stand es im Zeichen eines Arbeitskampfes, der für Furore sorgte und zum Politikum avancierte und letztlich zum Angriff auf die Grundrechte der Koalitionsfreiheit führte – alles in einer Auseinandersetzung um ein kleines halbkommunales Kino in Berlin Mitte. Der Makrokosmos der bundesdeutschen (kapitalistischen) Realität fand Einzug in den Mikrokosmos des Babylon Mitte. Eine kleine anarchosyndikalistische ArbeiterInnenorganisation hatte es geschafft, mit einem verhältnismäßig kleinen, aber enorm effizienten und agilen Arbeitskampf nicht nur das Prinzip der gewerkschaftlichen Stellvertretung infrage gestellt, sondern auch den betreffenden Betrieb auf den Kopf gestellt.
Mittlerweile hat der Konflikt eine neuere Zuspitzung erfahren. Die Babylon-Geschäftsleitung hat am 18. Januar nun tatsächlich beim Gericht beantragt, ein Ordnungsgeld (bis zu 250.000 Euro) oder ersatzweise Haft gegen die Sekretäre (bis zu sechs Monate) zu verhängen. Angeblich habe die FAU Berlin gegen die Unterlassung verstoßen und sich sinngemäß weiter als Gewerkschaft präsentiert. Sollte dies durchgehen, könnte dies wohl das erste Mal in der BRD-Geschichte sein, dass Menschen für die Wahrnehmung von Arbeitnehmerinteressen in den Knast gehen.
Für den 29./30. Januar sind internationale Proteste zum de-facto-Gewerkschaftsverbot geplant. Es werden Aktionen in der ganzen Welt und auch in Deutschland selbst stattfinden. Breite solidarische Unterstützung ist gerade jetzt gefragt. Weitere Infos siehe unten.

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