Archiv für September 2011

Auseinandersetzung mit der Freien-Presse Berichterstattung zur Burgstädter Demonstration

Gefunden auf :http://moritz-thielicke.de/

Die Freie Presse berichtete dreifach über die Demonstration und jedes Mal fehlt eine differenzierte inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Anliegen der Demonstrant_innen, weshalb ich mich gezwungen sehe mich mit dem letzten Bericht differenziert auseinanderzusetzen.

Polizei: Demo verläuft friedlich (12.09.2011)

In dem Abschlussbericht zur Demonstration wird versucht, wie die Male zuvor, die Problemlage in Burgstädt zu relativieren und primär das Hauptaugenmerk auf Nebenschauplätze, wie die Angst vor „ausufernder Gewalt“ und das rechte Problem zu verlagern. So wird positiv die Friedfertigkeit der Demonstration hervorgehoben, was anscheinend außergewöhnlich ist – im Anbetracht der bundesweiten Hetzte der letzten Jahre gegen „bösen Linke“ – aber nicht weiter verwunderlich.

So bestimmt die Einführung über ein Viertel des Artikels, welche sich auf reines Beschreiben der Tagessituation beschränkt. Was an sich kein Problem darstellt, wenn eine inhaltliche Aufarbeitung in der gleichen Weise stattgefunden hätte.

So wird berichtet, dass kaum Burgstädter_innen anwesend waren, es wird aber von Teilnehmer_innen aus „Mittweida, Chemnitz, Limbach-Oberfrohna und kleineren Orten“ geschrieben. So wird ein Bild suggeriert, dass das Problem von außen nach Burgstädt hineingetragen wird, dass der Anteil der Teilnehmer_innen aus Burgstädt jedoch fast ein Viertel aller Teilnehmer_innen ausmachte wird schlicht missachtet.

Dass sich in dem Freiraum e.V. über 15 Personen engagieren spricht für eine höhere, als die erwähnte Beteiligung seitens Burgstädter Bürger_innen.

Viel schlimmer ist jedoch die Tatsache, dass die mangelnde Teilnahme aus der sogenannten „guten demokratischen“ bürgerlichen Mitte, das Desinteresse und die wenige Kritikbereitschaft dieser, belegt. Hätte man wirklich eine inhaltliche sachliche Auseinandersetzung gesucht, hätte man dies auf der Demonstration oder im Vorfeld in der Presse tun können. Dort wurde das Augenmerk aber lieber auf Diffamierung in unsachlicher Weise betrieben, auch von der Stadtratsfraktion die Linke.

Weiter wird versucht durch oberflächliche Beschreibung der Teilnehmer_innen, sowie durch Nutzung von gezielten Klischee-Bildern über Inhalte hinweg zu täuschen. „[S]chwarz gefärbte Haare mit roten oder grünen Strähnen, Piercings in Ohren, Nasen oder Lippe“, „[e]inige verhüllen ihr Gesicht mit Basecap, Sonnenbrille und Kapuze“, „Deutschland zu Fall bringen“, „Deutschland braucht eine starke radikale Linke“ verstärken, ohne nähere Erklärung den Eindruck beim Leser_in, dass sich Autonome – Vandalen – zusammen gefunden haben, die die Zerschlagung Deutschlands herbeisehnen.

Dass es aber um Emanzipation geht, was aus den Redebeiträgen klar ersichtlich ist und diese nicht im nationalistischen Kontext stattfinden kann, kommt nicht zur Geltung. Nationalismus schafft willkürliche Grenzen, die der freien Entfaltung von Menschen entgegensteht. Ob Wirtschafts- oder Flüchtlingspolitik – im nationalistischen Kontext wirken sie menschenverachtend und diskriminierend. So wird zwischen guten (effizienten) und schlechten (ineffizienten) Unterschieden. Gegen diese konservative Sicht der Menschenklassifizierung richtete sich unter anderem die Demonstration.

Auch die erwähnten „Vermummungen“ werden einfach im Raum stehen gelassen und nicht im Kontext des Selbstschutzes vor sogenannten Anti-Antifa-Fotografen gesetzt, die die gesamte Zeit über Demonstrationsteilnehmer_innen abfotografierten. In der Vergangenheit wurden schon mehrfach Portraitbilder von engagierten Personen, meist im Kontext mit Aufrufen zur Gewalt gegen diese, im Internet veröffentlicht. Dass dies lebensgefährlich ist, belegt der Fall von Florian K. (http://nachrichten.lvz-online.de/region/geithain/rechter-schlaeger-zu-bewaehrung-verurteilt/r-geithain-a-57424.html)

Die Beleuchtung der verschiedenen Positionen von Bürger_innen ist positiv zu werten und zeigt wie uneins und wenig bewandert die „demokratische Mitte“ der Gesellschaft im Umgang mit rechtem Mainstream und grundlegender Kritik ist und wie enorm einfältig mit dem Grundrecht auf Meinungsfreiheit umgegangen wird. („Da werden Steuergelder verschwendet. Rechts, links – die sollen doch alle arbeiten gehen“).

Die Erwähnung der demointernen öffentlichen Kritik bei einfältigen Sprechchören hätte in der Öffentlichkeit die Auseinandersetzungsbereitschaft mit eigenen Positionen gezeigt und somit einen Ansatz für eine sachliche thematische Diskussion mit Vertretern der Stadt bieten können. Diese Möglichkeit wurde aber der „spektakulären“ Klischeebedienung und oberflächlichen Berichterstattung untergeordnet.

Gesamt kann die Berichterstattung als oberflächlich und wenig fundiert gewertet werden. Die schlimmsten Bedenken, die totale Zerstörung der Stadt, fand nicht statt, natürlich nur durch die erhöhte Polizeipräsenz. Denn Jugendliche die etwas verändern wollen machen dies grundsätzlich mit den Mitteln der Zerstörung, dazu gehören zerstörerischer Aufbau eigener Räumlichkeiten, sowie inhaltliche Auseinandersetzung mit aktuellen Problemen.

Auf die Hintergründe, wie die Äußerungen des Feuerwehrleiters und Anzeigen gegen diesen wegen Beleidigung, wurde nicht näher eingegangen. Statements der Stadt werden unreflektiert übernommen und keiner Gegenposition entgegengestellt. Eine eigene objektive Meinungsbildung ist somit nicht möglich. Die grundlegende Gesellschaftskritik am Konservativismus wird auf einen links-rechts Konflikt herabgestuft, um einer kritischen Selbstreflexion zu entgehen.

Es bleibt zu hoffen, dass einige Kritikpunkte in die nächste Berichterstattung einfließen, denn Aufgabe der Presse ist es auch Hintergründe zu beleuchten, um umfassendes Wissen in die Bevölkerung zu tragen, um primitiven Vorurteilen und Halbwahrheiten entgegen zu wirken.

Vielleicht würde dann auch einmal eine produktive Diskussionsgrundlage geschaffen werden, in der sich inhaltlich, statt emotional gearbeitet wird.

Und „tabubrechende“ Parolen gehören in der Werbebranche zum gängigen Mittel, warum also nicht mit radikalen Positionen denken fördern und neue Positionen eröffnen?

In diesem Sinne

Konservatives Denken brechen – Provinzen alternativ gestalten

Naziprovokationen und die alltäglichen Zustände in der Provinz

Am gestrigen Abend gegen 20 Uhr begaben sich 15 vermummte Nazis durch die Straßen von Burgstädt. Mit rufen wie „ Hier marschiert der Nationale Widerstand“ machten sie auf sich aufmerksam. Ihr Ziel war offensichtlich das Hausprojekt auf der Ludwig-Böttger-Straße, welches sie versuchten mit Flaschen anzugreifen. Doch der „ Nationale Widerstand“ sah sich nicht in der Lage Wiederstand zu leisten. Als Personen, welche sich zu dem Zeitpunkt im Haus befanden auf sie aufmerksam wurden und auf sie zu kamen , verschwand der Trupp von vermummten Wiederständlern schneller als er gekommen war. Und innerhalb kürzester Zeit befanden sich einige Bürger Burgstädts auf der Straße, die es leider wenig zu interessieren schien das Leute angegriffen werden .
Ein Fahrzeug der freiwilligen Feuerwehr Burgstädt passierte ebenfalls in diesem Moment die Straße entlang des Geschehens, allerdings zeigten die ‚‘Kameraden'‘ keinerlei Reaktion hinsichtlich des Angriffes.
Genau deshalb erscheint es umso wichtiger, die Bevölkerung auf das Problem vermehrter Präsenz rechter Organisationen im Stadtbild zu sensibilisieren und im Hinblick auf ihr Wegschauen bei dieser Problematik, welches aus genau jenen konservativen Ansichten, die immer noch das Denken der breiten Masse ausmacht, aufmerksam zu machen.
Denn Demonstrieren ist nicht immer gleichbedeutend mit Zerstörung, sondern auf Problematiken aufmerksam zu machen, die sich in der Provinz verstärkt zeigen.
Deswegen heißt es für alle, die nicht weiterhin das Schweigen und verengte Denken der Bevölkerung hin nehmen wollen, am 10.09.2011 in Burgstädt auf die Straße zu gehen.
Denn Burgstädt ist leider eines von vielen sächsischen Provinzstädtchen mit typischen Problemen – einer konservativen und uneinsichtigen Verwaltung, fehlender Angebote und Freiräume für Jugendliche, der daraus folgenden Abwanderung und jeder Menge Nazis.
Wenn Konservativismus heißt, die bestehenden Verhältnisse auf allen Ebenen zu bewahren, dann ist das für uns ein Zustand, der bekämpft werden muss. Denn die bestehenden Verhältnisse sind für uns: korrupte PolitikerInnen, patriotische DeutschlandfanatikerInnen mit stetiger Angst vor Neuem und Sozialgesetze, die Menschen an den Rand der Gesellschaft drängen und sie als „Sozialschmarotzer“ diffamieren. Unser Problem sind nicht nur gewaltbereite Nazis, sondern auch die Menschen, die wegschauen, wenn sie wieder marschieren. Menschen, die Rassismus, Sexismus und Intoleranz tagtäglich leben, ohne dies zu hinterfragen und sich von den Medien gegen bestimmte Teile dieser Gesellschaft, seien es MigrantInnen oder ALG-II-BezieherInnen, aufhetzen lassen. Durch solches Denken, wird jedem Versuch, einem alternativen Lebensentwurf zu folgen und freiheitlichere Formen von gesellschaftlichen Zusammenleben, ohne Hierarchien und Diskriminierung, zu entwickeln, der Boden genommen. Auch in Burgstädt stolpert man bei solch einem Versuch über genügend Steine. Nazis, die Menschen verfolgen, bedrohen und verprügeln und eine Stadt, die alternative Jugendliche, die neue Freiräume schaffen wollen, eher ängstlich beäugt, das Naziproblem herunter spielt und einen Feuerwehrchef mit vermutlich rechtem Gedankengut verteidigt, der vor kurzem 15 Anzeigen wegen Beleidigung bekam. Diese Zustände wollen wir so nicht hinnehmen. Deswegen gehen wir auf die Straße. Wir wollen Räume schaffen, an denen sich Menschen begegnen und sich bilden können, Vorurteile abbauen können. Räume, in denen Toleranz und Akzeptanz noch gelebt wird und eine eigenverantwortliche Lebensführung möglich wird.

Deshalb: konservatives Denken brechen – Provinzen alternativ gestalten!
Für ein Leben, Lieben und Lernen in Freiheit!



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