Naziprovokationen und die alltäglichen Zustände in der Provinz

Am gestrigen Abend gegen 20 Uhr begaben sich 15 vermummte Nazis durch die Straßen von Burgstädt. Mit rufen wie „ Hier marschiert der Nationale Widerstand“ machten sie auf sich aufmerksam. Ihr Ziel war offensichtlich das Hausprojekt auf der Ludwig-Böttger-Straße, welches sie versuchten mit Flaschen anzugreifen. Doch der „ Nationale Widerstand“ sah sich nicht in der Lage Wiederstand zu leisten. Als Personen, welche sich zu dem Zeitpunkt im Haus befanden auf sie aufmerksam wurden und auf sie zu kamen , verschwand der Trupp von vermummten Wiederständlern schneller als er gekommen war. Und innerhalb kürzester Zeit befanden sich einige Bürger Burgstädts auf der Straße, die es leider wenig zu interessieren schien das Leute angegriffen werden .
Ein Fahrzeug der freiwilligen Feuerwehr Burgstädt passierte ebenfalls in diesem Moment die Straße entlang des Geschehens, allerdings zeigten die ‚‘Kameraden'‘ keinerlei Reaktion hinsichtlich des Angriffes.
Genau deshalb erscheint es umso wichtiger, die Bevölkerung auf das Problem vermehrter Präsenz rechter Organisationen im Stadtbild zu sensibilisieren und im Hinblick auf ihr Wegschauen bei dieser Problematik, welches aus genau jenen konservativen Ansichten, die immer noch das Denken der breiten Masse ausmacht, aufmerksam zu machen.
Denn Demonstrieren ist nicht immer gleichbedeutend mit Zerstörung, sondern auf Problematiken aufmerksam zu machen, die sich in der Provinz verstärkt zeigen.
Deswegen heißt es für alle, die nicht weiterhin das Schweigen und verengte Denken der Bevölkerung hin nehmen wollen, am 10.09.2011 in Burgstädt auf die Straße zu gehen.
Denn Burgstädt ist leider eines von vielen sächsischen Provinzstädtchen mit typischen Problemen – einer konservativen und uneinsichtigen Verwaltung, fehlender Angebote und Freiräume für Jugendliche, der daraus folgenden Abwanderung und jeder Menge Nazis.
Wenn Konservativismus heißt, die bestehenden Verhältnisse auf allen Ebenen zu bewahren, dann ist das für uns ein Zustand, der bekämpft werden muss. Denn die bestehenden Verhältnisse sind für uns: korrupte PolitikerInnen, patriotische DeutschlandfanatikerInnen mit stetiger Angst vor Neuem und Sozialgesetze, die Menschen an den Rand der Gesellschaft drängen und sie als „Sozialschmarotzer“ diffamieren. Unser Problem sind nicht nur gewaltbereite Nazis, sondern auch die Menschen, die wegschauen, wenn sie wieder marschieren. Menschen, die Rassismus, Sexismus und Intoleranz tagtäglich leben, ohne dies zu hinterfragen und sich von den Medien gegen bestimmte Teile dieser Gesellschaft, seien es MigrantInnen oder ALG-II-BezieherInnen, aufhetzen lassen. Durch solches Denken, wird jedem Versuch, einem alternativen Lebensentwurf zu folgen und freiheitlichere Formen von gesellschaftlichen Zusammenleben, ohne Hierarchien und Diskriminierung, zu entwickeln, der Boden genommen. Auch in Burgstädt stolpert man bei solch einem Versuch über genügend Steine. Nazis, die Menschen verfolgen, bedrohen und verprügeln und eine Stadt, die alternative Jugendliche, die neue Freiräume schaffen wollen, eher ängstlich beäugt, das Naziproblem herunter spielt und einen Feuerwehrchef mit vermutlich rechtem Gedankengut verteidigt, der vor kurzem 15 Anzeigen wegen Beleidigung bekam. Diese Zustände wollen wir so nicht hinnehmen. Deswegen gehen wir auf die Straße. Wir wollen Räume schaffen, an denen sich Menschen begegnen und sich bilden können, Vorurteile abbauen können. Räume, in denen Toleranz und Akzeptanz noch gelebt wird und eine eigenverantwortliche Lebensführung möglich wird.

Deshalb: konservatives Denken brechen – Provinzen alternativ gestalten!
Für ein Leben, Lieben und Lernen in Freiheit!




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