NPD-Ortsverbandschef auf Gewaltstreifzug

Die Ereignisse des gestrigen Abends sind schockierend, aber für viele engagierte AntifaschistInnen nicht überraschend: Am Abend des 29.10.2011 soll der verurteilte Gewalttäter und NPD-Ortsverbandschef P. Nickl mit einem stadtbekannten Neonazi mehrere Menschen tätlich angegriffen haben. Begonnen soll sein Streifzug laut Augenzeugen gegen 20:30 haben. Dort soll er, zusammen mit seinem Begleiter, mehrere Jugendliche, die in der Rathausstraße auf ihren Bus warteten und wahrscheinlich nicht in das Weltbild eines führenden NPD-Mitgliedes passten, zunächst angepöbelt und dann schließlich einen Jugendlichen angegriffen haben. Dabei wurde unter anderem die Brille des Opfers zerstört. Eine halbe Stunde später etwa, sollen die Selben Täter einem Familienvater, der gerade in seiner Wohnung auf sein Kind aufpasste, einen Hausbesuch abgestattet haben. Kurz nachdem die Klingel ertönte, hörte dieser stumpfsinnige Parolen wie „Antifa – Hahaha“ und schaute darauf hin aus dem Fenster. Dabei will er Nickl erkannt haben, der ihn aufforderte, vor die Tür zu kommen. Als die beiden Täter bemerkten, dass der Familienvater dieser Aufforderung nicht nachkommen würde, zogen sie weiter. Ihr Streifzug endete laut Zeugen wieder in der Rochlitzer Innenstadt gegen 23 Uhr, wo sie erneut auf eine Gruppe alternativer junger Leute trafen. Wie schon einmal an diesem Abend, sollen sie auch diese Gruppe angegriffen haben – zum Glück konnten sich die Angegriffenen diesmal aber wehren. Trotz des Abwehrversuches erlitt dabei eines der Opfer Verletzungen.
Die Krönung des gestrigen Abends war jedoch über die Internetcommunity Facebook zu vernehmen, über die Nickl die Ereignisse glatt einmal umdrehen lies und sich als Opfer darstellte. Dort hieß es, Nickl sei von „mehreren Zecken angegriffen“ worden. Weiter hieß es: „ (…) ich wurde von pierre drum gebeten ein aufruf an alle zu verfügungstehenden kameraden zu machen und bitte euch nun darum euch auf dem weg nach rochlitz zu machen und diesen haufen von linken spinnern zu stoppen!!!!!!!!“ Für uns stellen diese im Internet öffentlich gemachten Meldungen ganz klar erstens – eine unglaublich dreiste Täter-Opfer-Umkehr und zweitens – einen indirekten Aufruf zu weiteren Gewalttaten dar.
Betonte die NPD gegenüber der Freien Presse kurz nach der Gründung des Ortsverbandes Rochlitz noch die Geläutertheit des neuen Chefs, sollte sich diese nach den jüngsten Ereignissen gut überlegen, ob ein Herr Nickl ein geeignetes Aushängeschild für ihre Partei ist. Mitteilunge wie: „ (…) Pierre Nickl habe den NPD-Kreisverband Mittelsachsen über seine Vergangenheit informiert. Man sei zu der Überzeugung gelangt, dass der 22-Jährige aus seiner Verurteilung gelernt habe und Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung ablehne“, wirken durch das Handeln des Ortsverbandschefs nicht nur unglaubwürdig, sondern lächerlich. Nickls Bemühungen um ein Saubermann-Image konnten viele seiner politischen Gegner noch nie täuschen. Das unter dem Schafspelz eben doch der Wolf von vergangenen Tagen und Taten steckt, hat sich für uns einmal mehr bewiesen.




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