Archiv für Februar 2012

2012 – Im Osten nichts Neues

Im Osten nichts Neues. Gegen Nazis und rechte Alltagskultur.
Aufruf für eine antifaschistische Kampagne im Leipziger Osten

+++ Antifaschistische Demonstration am Sonnabend, den 24. März um 12 Uhr Friedrich-List-Platz +++

Auf Grund der zahlreichen Aktivitäten von Neonazis und anderen Rechten sowie der Ansiedlung des Ladengeschäfts „Fighting Catwalk“ im Leipziger Osten haben sich verschiedene lokale Akteure und das Leipziger Ladenschlussbündnis zusammengetan, um dem rechten Alltag entgegenzutreten. Gemeinsam rufen wir zu einer antifaschistischen Kampagne und Offensive für das Jahr 2012 auf – als erster Höhepunkt findet am Sonnabend, den 24. März (Start 12 Uhr, Friedrich-List-Platz) eine Demonstration im Leipziger Osten statt. Hierfür ist bereits ein Aufruf erschienen, alle weiteren Informationen und Fakten folgen…

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Im Frühjahr 2008 zogen hunderte Menschen durch den Leipziger Osten und demonstrierten gegen die vorhandenen Nazistrukturen und die bis dato mehrheitlich untätige Bewohner_innenschaft.
Damals gelang es, den organisierten Nazis Einhalt zu gebieten. Mit dem Zuzug von Studierenden und linksalternativen Menschen veränderte sich das Klima im Stadtteil. Außerdem entstanden in dieser Zeit im Osten verschiedene Orte für linksalternative Kultur- und Politikprojekte und Personen.
Doch spätestens seit Herbst 2011 bekommt das Bild vom Wandel im Leipziger Osten einen deutlichen Riss.

Mittel zum Zweck?

Zwischen November 2011 und Februar 2012 nutzten Personen, die der Leipziger Naziszene angehören, eine Wohnung in der Langen Straße 15 (Zentrum-Ost) als semi-öffentlichen Party- und Veranstaltungsraum. Darunter waren bekannte Gesichter der Leipziger NPD sowie der gewaltbereiten, rechtsorientierten Fußball-Fanszene, Akteure die bis 2011 das NPD-Zentrum in der Odermannstraße in Lindenau als Domizil nutzten.
Bei Feiern im Erdgeschoss der Langen Straße 15 am Abend des 9. Dezember 2011 und in der Silvesternacht kam es zu massiven verbalen Beleidigungen und Sachbeschädigungen, was die Anwesenheit der neuen Nachbarn für die Anwohner_innen der gesamten Langen Straße zur realen Bedrohung machte.
So geriet auch das translesbischwule Projekt „RosaLinde“, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft befindet, in den Fokus der Nazis. Pöbelnd und „Sieg Heil“-rufend provozierten diese vor deren Räumlichkeiten.

Versuche von verschiedenen Seiten, Kontakt mit der Eigentümerin des Hauses aufzunehmen, scheiterten und blieben unbeantwortet. Erst der Druck der Öffentlichkeit schien der Eigentümerin eine Reaktion zu entlocken. Nach Pressemitteilungen und mehreren Berichten in verschiedenen Medien blieben oben genannte Personen der Langen Straße fern.

Offensichtlich ist der Eigentümergesellschaft „Kling-Group“ ein guter Ruf in der Öffentlichkeit wichtiger, als die Sicherheit der Bewohner_innen in von ihr vermieteten Häusern. Der gesamte Verlauf der Auseinandersetzung mit den Nazis und die Verweigerungshaltung der Eigentümerin lassen den Verdacht aufkommen, dass die Nazis hier als Mittel zur Entmietung genutzt werden sollten.

Herrenausstatter!

Zeitgleich – am 4. Dezember 2011 – eröffnete im Stadtteil Leipzig-Reudnitz, im Täubchenweg 43b, ein Geschäft mit dem Namen „Fighting Catwalk“. Das Geschäft ist nach einem gleichnamigen Online-Versandhandel für Kleidung und Kampfsport-Utensilien benannt. Geschäftsführer des Ladens ist Christian Pohle, der sich im gewaltbereiten Fanumfeld des 1. FC Lok Leipzig bewegt.
Der kampfsporterprobte Christian Pohle kämpfte in der Vergangenheit auch für den Boxverein „Fighting Fellas Wurzen“. Einzelne Mitglieder des Vereins waren 2009 an einem gewaltsamen Überfall auf Spieler und Fans des Roten Stern Leipzig in Brandis beteiligt.
Das Sortiment des „Fighting Catwalk“ umfasst, neben einschlägigen Hooligan-Marken, vor allem Waren der bei Nazis beliebten Kleidungsmarke „Thor Steinar“. In den Kollektionen der Marke finden sich deutliche Anspielungen auf die NS-Geschichte und den deutschen Kolonialismus. Christian Pohle stellt mit seinem Ladengeschäft ein Stück Infrastruktur für die lokale Naziszene und bündelt und vernetzt einschlägiges Klientel.

Im Osten nichts Neues

Bereits in der Vergangenheit gab es im Leipziger Osten gehäuft rassistische Übergriffe, Nazidemonstrationen und Überfälle auf linke Wohn- und Kulturprojekte. Der Stadtteil galt als Hauptaktionsfeld der sich reaktivierenden Naziszene. Im Winter 2008 griffen Mitglieder der Freien Kräfte Leipzig mehrfach ein Wohnhaus in der Holsteinstraße an und versuchten so im Stadtteil eine Drohkulisse aufzubauen.
Weitere Aktionen durch Nazis gegen Menschen, die nicht ins rechte Weltbild passen, folgten und wurden durch die Anwohner_innen größtenteils geduldet.
Als Gegenpol zu diesen Widerlichkeiten gründete sich das linke Ladenprojekt Atari, welches seitdem immer wieder Zielscheibe von Naziangriffen ist.
Damals gelang es, organisierte Strukturen zu verdrängen, jedoch ist und war das noch kein Grund zum Feiern, da sich rechtes Gedankengut und rechte Alltagskultur beständig halten. Die Demonstrationen anlässlich eines Sexualmordes an einer Minderjährigen im Sommer und Herbst 2008 zeigten, wie anschlussfähig rechte, autoritäre Einstellungen sind. Zahlreiche Stadtteilbewohner_innen demonstrierten damals Hand in Hand mit organisierten Nazis unter dem Motto: „Todesstrafe für Kinderschänder“.
2010 wurde in Volkmarsdorf zur Gründung einer Bürgerwehr gegen die im Stadtteil lebenden Roma aufgerufen. Mit dem Aufruf zeigten sich die antiziganistischen Ressentiments und Anfeindungen von breiten Teilen der Bewohner_innenschaft ganz offen und wurden mit tatkräftiger Unterstützung der NPD auf die Spitze getrieben.
Diese Einstellungen drückten sich auch in den Ergebnissen der letzten Wahlen aus: Im Leipziger Osten konnte die NPD zu den Kommunal- und Landtagswahlen 2009 die stadtweit besten Ergebnisse erzielen.

Keine Atempause

Wir haben uns zusammengeschlossen, um den aktuellen Entwicklungen etwas entgegenzusetzen: Wir finden es zum Kotzen, dass Ladengeschäfte und andere Räume ohne Bedenken an Nazis vermietet werden. Wir finden es unerträglich, dass rechte Ideologien gesellschaftsfähig sind. Wir nehmen es nicht länger hin, dass sich Stadteilbewohner_innen in Nazidemonstrationen einreihen oder wegschauen, wenn Menschen diskriminiert werden. Wir wollen nicht länger in einem chauvinistischen, autoritären Umfeld leben.

In den letzten Jahren rückte das Nazizentrum in der Odermannstraße in Leipzig-Lindenau zurecht in den Fokus der Öffentlichkeit und der antifaschistischen und zivilgesellschaftlichen Aufmerksamkeit. Hier fanden zahlreiche Aktionen gegen Nazismus und Diskriminierung statt. Diese Aktivitäten wollen wir nun auch in den Osten der Stadt tragen.

Uns eint das Ziel eines angstfreien Zusammenlebens, das Ziel ein Alltagsklima zu schaffen, das frei von Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Sexismus sowie jeder Form von Ausgrenzung und Abwertung von Menschen ist. Im Leipziger Osten, wie überall.

Wir lassen uns diese Zustände nicht länger bieten.

Deshalb: Kommt zur Bündnisdemonstration am 24. März 2012!

12 Uhr, Friedricht-List-Platz

Quelle: http://ladenschluss.blogsport.de/im-osten-nichts-neues/

[Chemnitz] Aktionen zum 5. März

Der alljährliche Gedenkmarathon anlässlich der Bombardierung deutscher Städte zum Ende des zweiten Weltkrieges ist nicht nur in Magdeburg, Dresden, Dessau oder Plauen sondern auch in Chemnitz mit Aufmärschen von Nazis verbunden. In Chemnitz demonstrierten in den letzten Jahren am 5. März mehrere hundert Nazis vor allem aus dem Umfeld von Freiem Netz und NPD. Die Polizei machte ihnen dabei stets mit brutaler Gewalt den Weg frei, über den Innenstadtring.
Der alljährliche Gedenkmarathon anlässlich der Bombardierung deutscher Städte zum Ende des zweiten Weltkrieges ist nicht nur in Magdeburg, Dresden, Dessau oder Plauen sondern auch in Chemnitz mit Aufmärschen von Nazis verbunden. In Chemnitz demonstrierten in den letzten Jahren am 5. März mehrere hundert Nazis vor allem aus dem Umfeld von Freiem Netz und NPD. Die Polizei machte ihnen dabei stets mit brutaler Gewalt den Weg frei, im letzten Jahr über den Innenstadtring.

Angefangen hatte das Gedenken klein: Mehrere dutzend Nazis um den Stadtrat Martin Kohlmann (früher Republikaner, jetzt Pro Chemnitz) versammelten sich vor einem Kinderheim im Stadtteil Bernsdorf und konnten ihre Versammlung nur unter großen Störungen durchführen. Bereits 2008 zogen 150 Nazis ungehindert durch Bernsdorf. Mehrere Gegendemonstrant_innen wurden bei Angriffen von außer Kontrolle geratener Nazis und Polizist_innen zum Teil schwer verletzt. Ein Jahr später durften mehr als 200 Nazis mit Gestattung von Stadt und Polizei direkt vor damals bestehende alternative Wohn- und Kulturprojekt Reitbahnstraße 84 ziehen. Das Projekt war bis dahin bereits mehrfach Ziel von Naziangriffen inklusive eines Brandanschlages gewesen. 2009 zogen 600 Nazis mit Fackeln weitgehend ungestört durch einen Teil der Innenstadt, während die Polizei eine genehmigte Antifa-Demo am Bahnhof einkesselte und festhielt. Proteste gegen den Naziaufmarsch in jenem Jahr hatten allenfalls symbolischen Charakter. Ein totales Versagen der Stadverwaltung ermöglichte 500 Neonazis im letzten Jahr, flankiert von prügelnden Polizeieinheiten, ihre Demonstration um den Innenstadtring abzuhalten.

Das städtische Gedenken konkurrierte anfangs auf dem Friedhof später zunehmend in der Innenstadt im Rahmen des Chemnitzer Friedenstages um das würdigere Gedenken. Je größer die Naziaufmärsche und je mehr Aufregung um den 5. März, desto entschiedener die Aufrufe für den „Tag des würdigen Gedenkens“. Ein solches haben sich bekanntlich auch die Nazis auf die Fahnen geschrieben. Ein Sternmarsch zum zentralen Friedenskreuz auf dem Marktplatz, Friedenstexte, Musik und Meditation sollen dieses Jahr ein „deutlich sichtbares Zeichen“ setzen. Diese Beschränkung auf eine symbolische Aktion wird nicht nur nichts gegen den Naziaufmarsch erreichen. Sie ist falsch: Im Mittelpunkt werden „deutsche Opfer“ eines „Krieges von unvorstellbarer Zerstörungskraft“ stehen und ein geschichtsblinder Friedenswunsch an einem Jahrestag der militärischen Niederschlagung Deutschlands. Eine solche nationalistische Veranstaltung der „besseren Werte und Institutionen“ sieht das Problem allein in der Beschmutzung einer angeblich „weltoffenen, toleranten und bunten Stadt“ durch die Nazis.

Deswegen mobilisieren verschiedene Initiativen und Gruppen gegen Geschichtrevisionismus und den Naziaufmarsch am 5 März in Chemnitz:

Verschiedene Antifgruppen rufen unter dem Motto „We are so fucking angry! Naziaufmarsch blocken!“ zu „Unordnung gegen den Trend“ auf: „Im Jahr 2011 fanden sich mehrere Hundert entschlossene Antifaschist_innen, denen es offensichtlich nicht um Trauerbekundungen für Chemnitzer Bombentote im Jahre 1945 ging, sondern darum einen Nazi-Aufmarsch zu verhindern. Dies war ein Anfang. Dort muss angesetzt werden. Und zwar nicht nur, sondern gerade wegen des Mangels an inhaltlicher Auseinandersetzung mit dem bürgerlichen Gedenken. Am 5. März 2012 gilt es Kritik am Gedenken in die Debatte tragen sowie den Nazis auch zukünftig kein sicheres Gelände zu überlassen. Die richtige Antwort auf nationalsozialistische Umtriebe und Geschichtsklitterung ist extrem in und heißt nach wie vor Antifaschismus! Dass sich nichts mehr bewegt – 5. März 2012 – Chemnitz –immer wieder- Naziaufmarsch blocken!“

http://angry.blogsport.de

Eine Antifaschistische Kulturinitiative „Supersonic“ und das Bündnis Chemnitz-Nazifrei rufen für eine Demonstration ab 16 Uhr Hauptbahnhof auf: „Welchen Platz Neonazis am 5. März einnehmen, entscheidet sich an der Entschlossenheit und Solidarität der Menschen, welche ihnen den öffentlichen Raum für ihre politischen Zwecke ganz und gar nehmen und dies so, dass weitere Versuche unattraktiv werden. Unser Ziel ist die lautstarke und massenhafte Vermittlung antifaschistischer Praxis als gesellschaftlicher Gegenwehr, sowie die Schaffung von Verhältnissen, in denen es als unverhältnismäßig angesehen wird, Naziaufmärsche mit Hilfe von Polizeigewalt durchzusetzen!Den Nazis gemeinsam und entschlossen entgegentreten – jetzt erst recht!“http://lookback.blogsport.de/
Den Nazis, die sich ab 18 Uhr am Südbahnhof in Chemnitz treffen wollen setzt außerdem eine weitere Demonstration des Stura TU Chemnitz ab 17 Uhr Mensa Reichenhainer Straße

Dessau: Die letzten Infos für Morgen

Als erstes müssen wir euch mitteilen das sich der Startpunkt der Demo verändert hat:

neuer Startpunkt: Anhaltinisches Theater – Vorplatz in der Fritz-Hesse-Straße (200m vom Hbf entfernt)
Wir werden euch trotzdem am Bahnhof in Empfang nehmen und weiter leiten.

Für alle anreisenden sind uns derzeit nur folgende Zugtreffpunkte verifiziert übermittelt worden:

Zugtreffpunkte:

Berlin – 10:15h – Bhf Alexanderplatz – S-Bahngleis (etwas früher da sein lohnt sich)

Halle/Saale – 11:20h – Hbf – Haupthalle

Magdeburg – 11:00h – Hbf – ZOB

Leipzig – aus L.E. wurde eine gemeinsame Busfahrt geplant, die Karten und Informationen dafür, waren/sind in folgenden Locations zu bekommen:

Lazy dog Wolfgang- Heinze- Str. 20, 04277 Leipzig
Buchhandlung el libro Bornaische Str. 3d, 04277 Leipzig
Vleischerei Zschochersche Straße 23, Leipzig

Weitere Zugtreffpunkte die uns heute noch aus verifizierten Quellen erreichen, werden wir hier so schnell wie möglich veröffentlichen.

Für alle anderen wichtigen Infos, haben wir ein Infotelefon geschaltet das ihr unter der Nummer 0152/36344084 erreichen könnt.

Quelle: http://dessauerverhaeltnisse.blogsport.de/2012/02/24/die-letzten-infos-fuer-samstag/



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