Rechte Szene in Chemnitz: Neuer Laden am Brühl sorgt für Unbehagen

Bei Rechtsextremen beliebte Bekleidungsmarke hat eigenes Geschäft eröffnet

Chemnitz. Der schwarze Namenszug über der Ladentür weckt ungute Assoziationen. „Ist das nicht der, der in Norwegen die 77 Menschen erschossen hat?“, wundert sich ein älterer Herr aus der Nachbarschaft. Nicht ganz. Der Attentäter von Oslo und Utøja heißt Breivik, der am Donnerstag eröffnete Laden an der Mühlenstraße „Brevik“. Dabei handelt es sich um die neueste von deutschlandweit nunmehr 13 eigenen Vertriebsfilialen, die das brandenburgische Unternehmen Mediatex nach eigenen Angaben für die unter Anhängern der rechtsextremen Szene beliebte Bekleidungsmarke Thor Steinar unterhält. Was der Name des Ladens bedeuten soll, dazu wollte das Unternehmen sich am Donnerstag auf Anfrage nicht äußern.

Am Brühl und in dessen Umfeld hätte man auf diesen Beitrag zur Belebung des von Leerstand gezeichneten Viertels offenbar gern verzichtet. Große Augen und entsetztes Kopfschütteln am Donnerstag von der Grundschule bis zum Geschäft an der Ecke. „Dass die sich ausgerechnet hier niederlassen müssen“, meinte eine Ladenbesitzerin. „Brevik? Das geht gar nicht“, empörte sich ein Geschäftsmann. „Da denkt man ja sofort an Oslo.“ Und schon werden erste Befürchtungen laut, dem Klamottenladen könnten über kurz oder lang weitere Treffs der rechten Szene im Viertel folgen.

Sabine Zimmermann, Regionsvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, sieht sich durch die Neueröffnung in ihrer Sorge bestätigt. „Die Rechten sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagte sie am Donnerstag bei der Vorstellung einer Situationsanalyse zur rechten Szene in Chemnitz. Die reichlich 70 Seiten umfassende Broschüre sowie ein Internetportal geben unter anderem einen aktuellen Überblick über rechte Strukturen in der Stadt. Zwei Jahre lang hat ein Team von Kennern der Szene recherchiert und bislang nur verstreut zugängliche Informationen zusammengeführt – über die Aktivitäten der NPD, aber auch über die der sogenannten freien Kräfte sowie der im Stadtrat vertretenen Vereinigung Pro Chemnitz. Zudem wird über Musikvertriebe und Ladengeschäfte sowie über weniger bekannte völkische Zirkel, „Volkstanzkreise“ und Wandergruppen informiert.

„Was bisher meist mit einem hohem Zeit- und Rechercheaufwand verbunden war, ist nun mit wenigen Klicks erreichbar“, sagte Zimmermann. Geplant sei, das Online-Portal regelmäßig zu aktualisieren und das Untersuchungsgebiet auf das Chemnitzer Umland auszudehnen. Von der Broschüre sollen mehrere Hundert Exemplare in den kommenden Wochen an den Schulen der Stadt verteilt und Chemnitzer Vereinen zur Verfügung gestellt werden.

Mit ihrer Einschätzung stehen die Macher der Analyse nicht allein. Auch der Verfassungsschutz bezeichnet die Stadt als „Schwerpunkt der rechtsextremistischen Szene des Freistaates“. Mehr als 200 Rechtsextremisten seien hier ansässig, so Presse-Sprecher Alrik Bauer. Zudem existiere eine ausgeprägte und aktive Szene parteiungebundener Extremisten, die unter Bezeichnungen wie „Freie Kräfte“ oder „Nationale Sozialisten Chemnitz“ agierten. Kleidung von Thor Steinar hatte die Behörde bereits vor Jahren als “ identitätsstiftendes Erkennungszeichen“ der rechten Szene bezeichnet. Im Bundestag, einer Reihe von Fußballstadien und Bildungseinrichtungen ist das Tragen der Marke verboten. Mehrere Thor-Steinar-Läden mussten auf Druck von Nachbarn und Vermietern bereits schließen.

Mehr über die rechte Szene in Chemnitz unter www.wachsam-in-chemnitz.de

Quelle: http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/TOP-THEMA/Rechte-Szene-in-Chemnitz-Neuer-Laden-am-Bruehl-sorgt-fuer-Unbehagen-artikel7920338.php




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