Entsetzen über Neonaziüberfall in Geringswalde

Beim Aufhängen von Plakaten sind zwei Mitglieder des Kreisvorstandes der Linken teils krankenhausreif geprügelt worden

Geringswalde/Mittweida. David Rausch stand am Sonntag immer noch unter Schock. Der 28-jährige Geringswalder Stadtrat und stellvertretende Kreisvorsitzende der Linken wollte am Freitagabend in Geringswalde Plakate der Bundestagsabgeordneten Katja Kipping aufhängen.

„Doch von den 50 haben es nur zehn in die Öffentlichkeit geschafft“, sagte er am Sonntag der „Freien Presse“. Während des Plakatierens auf der Rochlitzer Straße wurde er von einem 22-Jährigen brutal niedergeschlagen. Robert Sobolewski (24), der noch bis vor kurzem Chef des Jugendvereins Solid war und ebenfalls für Die Linke im Kreisvorstand sitzt, eilte ihm zu Hilfe und erlitt leichte Verletzungen.

„Ich war gerade damit beschäftigt, ein Plakat anzubringen, als der Neonazi mit seinem Auto vor mir anhielt, ausstieg und begann, mich zu filmen“, erinnerte sich Rausch. Die Plakataktion in Geringswalde war genehmigt, wie Detlef Schönefuß von der Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge bestätigte. Laut Rausch habe es sich bei dem Angreifer um den stadtbekannten Neonazi Michael M. gehandelt, der kommende Woche zum wiederholten Mal wegen eines Propaganda-Delikts vor Gericht steht. „Gegen ihn soll ich am 26. April vor dem Chemnitzer Landgericht als Zeuge aussagen“, erklärte Rausch am Sonntag. „Ich forderte ihn auf, das Filmen zu unterlassen, worauf er die Kamera einsteckte, auf mich zustürmte und mir mit mehreren Fausthieben ins Gesicht schlug, sodass ich zu Boden ging. Auch da ließ er nicht von mir ab. Ich versuchte, mich zu meinem Pkw zu retten, wodurch ich mit dem Rücken zu ihm stand. Das nutzte er, um erneut von hinten mehrmals gegen meinen Kopf zu schlagen, sodass ich wieder zu Boden ging“, erinnerte sich das Opfer. Erst durch das couragierte Eingreifen seines Bekannten habe der Neonazi endlich von ihm abgelassen.

Rausch habe daraufhin die Polizei verständigt, die nach etwa acht Minuten vor Ort war. „In der Zwischenzeit hatten der Neonazi und mein Bekannter voneinander abgelassen. Ich musste jedoch feststellen, dass der Neonazi nun mit einem Baseballschläger, welchen er aus seinem Auto holte, erneut auf mich losgehen wollte“, sagte Rausch, der mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma ins Rochlitzer Krankenhaus kam.

Ein Polizeisprecher sagte auf Anfrage, ein politisch motivierter Hintergrund des Angriffs werde nicht ausgeschlossen. Die Kriminalpolizei habe die Ermittlungen aufgenommen. Details nannte er nicht.

Linkspartei: Schnellstmöglich Anklage „gegen stadtbekannte Nazis“ erheben

Linke-Kreischef Falk Neubert zeigte sich am Sonntag „immer noch fassungslos über diesen brutalen Überfall“. Auch ihm sei der Angreifer Michael M. bestens bekannt, da er gefälschte Flugblätter der Linken verteilt und seine Partei damit verleumdet haben soll. „Dieser Überfall ist ein weiterer Beleg für das Problem mit Nazis in der Region. Ich fordere alle kommunalen Verantwortungsträger auf, sich diesem Problem zukünftig wieder verstärkt zuzuwenden“, sagte Neubert.

Auch der Vorsitzende der Linkspartei in Sachsen, Rico Gebhardt, hat mit Entsetzen auf den Überfall reagiert. Er geht ebenfalls davon aus, dass es sich um einen Angriff von Rechtsextremen gehandelt hat. Einmal mehr werde deutlich, wie gefährlich die rechten Auswüchse sind, erklärte Gebhardt am Sonntag in Dresden.

Er forderte die Strafverfolgungsbehörden auf, schnellstmöglich Anklage gegen die „vor Ort allseits bekannten Täter“ zu erheben. Wieder mal seien Linke das Ziel der Täter gewesen. „Und das nächste Mal SPD, Grüne oder CDU? Ich wünsche mir, dass wir Demokraten eine gemeinsame Sprache finden und uns gemeinsam gegen Neonazis wehren“, sagte Gebhardt.

Damit steht er längst nicht allein. Auch Mittweidas OB Matthias Damm (CDU) hatte jahrelang eine Wiederaufnahme der Prozesse gegen die vermeintlichen Köpfe der Kameradschaft „Sturm 34″ gefordert. Vom 4. Mai bis 11. Juni sind dazu nun acht Verhandlungstage am Landgericht Dresden geplant.

Quelle: http://www.freiepresse.de/LOKALES/MITTELSACHSEN/Entsetzen-ueber-Neonaziueberfall-in-Geringswalde-artikel7961178.php




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