Alternativer Jugendtreff in Burgstädt stellt sich erstmals bei Straßenfest vor

Verein Freiraum wirbt mit Musik, Vorträgen, Graffiti-Workshop und Bastel-Angeboten für Toleranz und Akzeptanz

Burgstädt. Mit ihren Piercings, bunt gefärbten oder verfilzten Haaren fallen sie auf in Burgstädt. Die rund 15 jungen Leute des Vereins Freiraum betreiben seit einem Jahr ein alternatives Wohnprojekt im Haus an der Ludwig-Böttger-Straße 1. Sie wollten dort einen Jugendtreff einrichten, doch das wurde von der Bauaufsichtsbehörde untersagt, weil kein Antrag auf Nutzungsänderung eingereicht wurde.

Viele Burgstädter beäugen die „Bunten“ argwöhnisch. „Sie stiften nur Unruhe“, sagt ein Nachbar, der seinen Namen nicht nennen möchte. „Sie sind laut, ihre Hunde stören überall und sie können sich einfach nicht in die Gesellschaft einordnen“, ergänzt eine Mit-Fünfzigerin. Auch im Rathaus und Stadtrat sieht man das Treiben argwöhnisch. Im Februar wurde den Jugendlichen Hausverbot für den Rathaussaal erteilt, weil sie die Stadtratssitzung gestört hatten.

Die jungen Leute wollen jetzt in die Offensive gehen. Deshalb organisieren sie für den 15. September ein Straßenfest unter dem Motto „Nachbar ist machbar“. „Unser Anliegen ist es, nicht mehr länger als eine Art Fremdkörper in der Stadt wahrgenommen zu werden“, sagt Sprecherin Katharina Heiber. Unterstützung erhalten sie dabei von der Linkspartei und dem Kulturbüro Sachsen. „Burgstädt hat ein Problem mit rechter Gewalt, deshalb wollen wir ein Zeichen setzen“, sagt Falk Neubert, Landtagsabgeordneter der Linken. In der Stadt gebe es kulturelle Vorbehalte gegenüber den jungen Leuten. Das bestätigt Ina Lorenz vom Kulturbüro. Deshalb begleite sie die jungen Burgstädter drei Jahre lang, um mit dem Projekt ,Werkstatt junge Demokratie‘ gemeinsame Aktionen anzuschieben. Das Straßenfest soll ein erster Versuch sein, um mehr auf Akzeptanz zu stoßen. „Es hat im Vorfeld Gespräche mit uns gegeben“, erklärt Ordnungsamts-Chefin Cornelia Müller auf „Freie Presse“-Nachfrage. Sie hoffe auf ein gutes Miteinander und ein friedliches Fest.

An ihrem Ziel, das Wohnhaus an der Ludwig-Böttger-Straße zu einem Jugendtreff umzubauen, halten die jungen Leute fest. „Wir haben schon drei Wohnungen hergerichtet, Wände gestrichen und neu gestaltet“, sagt Jenny Baude. Doch bisher fehle das Geld, um beim Landratsamt Mittelsachsen eine Genehmigung einzureichen. Es gebe Brandschutz-Auflagen für eine Nutzungsänderung wie beispielsweise den Bau eines zweiten Rettungsweges. „Viele von uns sind Auszubildende oder Schüler und verdienen kein Geld“, ergänzt Marco Schwanitz. Da sei es schwierig, neben dem Wohnprojekt noch andere bauliche Veränderungen vorzunehmen.

André Kaiser, Sprecher des Landratsamtes, bestätigt, dass der Verein eine Kundgebung für den 15. September angezeigt habe. Prinzipiell bestehe Versammlungsfreiheit in Deutschland, das Straßenfest müsse also nicht genehmigt werden. Für die Nutzung des Hauses als Jugendtreff müsse aber der Antrag auf Nutzungsänderung vorliegen.

Straßenfest: Unter dem Motto „Nachbar ist machbar“ findet am 15. September von 13 bis 19 Uhr eine Kundgebung mit Straßenfest im Abschnitt der Ludwig-Böttger-Straße 1 statt. Zwischen den Kreuzungen ist der Autoverkehr gesperrt. Zu Gast sind zwei Liedermacherinnen. Außerdem gibt es einen Graffiti-Workshop, Mitmach-Angebote im Filzen und Drucken sowie ein Spielmobil.
Was junge Leute vom Verein Freiraum in Burgstädt vermissen

Jenny Baude (21): „Ich wünsche mir, dass die Burgstädter nicht so voreingenommen sind. Oft begegnet man uns mit Widerwillen. Manch ein Burgstädter sollte sich erinnern, wie er in der Jugend war – bestimmt nicht immer angepasst.“

Marco S. (20): „Es gibt zu wenig Angebote für junge Leute in Burgstädt. Die Skaterbahn in Mohsdorf ist zu weit weg. Besser wären zentrale Möglichkeiten. Selbst der Jugendklub ist abgelegen. Man hat den Eindruck, dass die jungen Leute in der Stadt nicht erwünscht sind.“

Franziska Z. (23): „Oftmals werden wir als linksextrem abgestempelt. Aber wir sind gegen Diskriminierung und gegen jedes Unrecht – vereint gegen Nazis. Zu uns gehören Normalos, Hip-Hopper – einfach eine bunte Truppe. Wir wollen nur einen Rückzugsort, wo wir quatschen können.“

Markus M. (28): „Früher gab es einen Grillplatz im Wettinhain. Doch der verfällt immer mehr. Es wird nichts getan. Nur Angebote, die Geld kosten – wie das Schwimmbad – hat die Stadt zu bieten.“"

Quelle: http://www.freiepresse.de/LOKALES/CHEMNITZ/Alternativer-Jugendtreff-in-Burgstaedt-stellt-sich-erstmals-bei-Strassenfest-vor-artikel8087130.php




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