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Delitzsch: Opfer werden zu Tätern

Nach dem Naziüberfall in Delitzsch am letztem Wochenende auf den Veranstalter und Gäste eines Konzerts mit den Tornados, Johnny Wolga und Skarface, bei dem einer der Angegriffenen immer noch schwerverletzt im Krankenhaus liegt, wo er wiederholt operiert werden musste und mit hoher Wahrscheinlichkeit einseitig erblinden wird. Verdrehen die Verantwortlichen in Delitzsch die Tatsachen und machen die Betroffenen zu Schuldigen des Übergriffs. Anstatt dem Opfer des Überfalls, bei welchem auch seine Lebensgefährtin geschlagen und verletzt wurde, Rückendeckung und Unterstützung zuzusichern, wird in Delitzsch nunmehr das Opfer zum Täter gemacht:
Der Veranstalter des Ska-Konzertes, wurde am gestrigen Donnerstag in die Räume der Stadt geladen und sah sich dort Vertretern des Ordnungsamtes, der Polizei sowie dem Bürgermeister und dem Oberbürgermeister der Stadt Delitzsch, Herrn Dr. Manfred Wilde gegenüber. Dem 26jährigen wurde mitgeteilt, dass er zukünftig keine Konzerte mehr in der Stadt veranstalten solle, bei denen Neonazis ausgeschlossen werden. Zudem sei er an dem Überfall „selbst Schuld“ und stelle mit seinem Bekenntnis, dass Nazis auf von ihm veranstalteten Konzerten unerwünscht seien, eine „Gefährdung der öffentlichen Sicherheit“ und des „sozialen Friedens“ in Delitzsch dar. (mehr…)

Letzte Infos zur Demo am Sonnabend

In wenigen Stunden ist es soweit: „Im Osten nichts Neues. Gegen Nazis und rechte Alltagskultur“ – Antifaschistische Demonstration im Leipziger Osten

Am Mittwoch, den 21.03. fand bereits eine spannende und kontroverse Podiumsdiskussion im 4Rooms statt. Erfreulich viele Menschen nahmen daran teil. Der Ansatz unserer Demonstration, nicht alleine die organisierten Nazistrukturen von NPD bis Freie Kräfte zu bekämpfen, sondern ebenso den alltäglichen Rassismus und andere Diskriminierungsformen als Problem wahrzunehmen und entsprechende Gegenkonzepte aufzufahren, fand breiten Anklang. Des Weiteren wurde festgestellt, dass Rassismus und Nazismus kein alleiniges Problem des Leipziger Ostens darstellen, sondern dass sich hier vielmehr eine Kontinuität in der jüngeren Geschichte der Stadt Leipzig feststellen lässt. Gleichwohl, haben sich insbesondere im Stadtteil Reudnitz-Thonberg in den letzten Wochen zum Teil gravierende Szenen abgespielt, die unmissverständlich deutlich machten, dass der Leipziger Osten ein Problem mit Nazis, mit Rassismus hat. Dagegen wollen wir am Sonnabend, den 24. März gemeinsam demonstrieren und uns solidarisch mit allen Betroffenen der Nazigewalt und des Rassismus zeigen.

Start ist 12 Uhr am Friedrich-List Platz. Von dort geht es in Richtung „Fighting Catwalk“ und Lange Straße nach Volkmarsdorf und dann zurück über die Eisenbahnstraße und Dresdner Straße zum Lene-Voigt Park.

Die Demonstration hat einen grundsätzlich offenen Charakter. Wir bitten aber darum, Parteifahnen und Parteisymboliken im hinteren Teil der Demonstration zu tragen. Des Weiteren weißen wir darauf hin, dass sexistische, homophobe und sonstwie diskriminierende Sprüche nicht geduldet werden. Um eventueller polizeilicher Repression nicht zuzuarbeiten, würden wir euch ebenso bitten, eure Digitalkameras und Smartphones nicht für Fotos und Videoaufnahmen zu nutzen. Es wird Personen geben, die Fotos anfertigen und diese anschließend im Netz veröffentlichen.

Für den Fall von Polizei-Repressionen wird es einen Ermittlungsausschuss (EA) geben, den ihr unter folgender Nr. erreicht: 0341-2119313. Den EA-Leipzig findet ihr auch im Internet.

Für alle eure Fragen und Bedürfnisse könnt ihr euch an unsere OrdnerInnen oder den Lautsprecherwagen wenden.

Die Demonstration endet mit einem Straßenfest gegen 16 Uhr am Lene-Voigt Park. Dort wird es musikalische, kulturelle und politische Beiträge geben. Für einen kleinen Imbiss ist ebenso gesorgt.

25.März: Aufruf zur Antifaschistischen Demonstration in Delitzsch

Naziterror entgegentreten – immer und überall

Am Sonntag, den 18. März, kam es zu einem schweren Übergriff von Neonazis auf BesucherInnen eines Ska-Konzertes in Delitzsch. Aufgrund des Angriffs mit einer Flasche wird einer der Betroffenen auf einem Auge wahrscheinlich nie wieder sehen können. Dies ist nur einer von vielen Übergriffen in einer Gegend, die von den Nazis als “national befreite Zone“ beschrieben wird. Dass Regionen wie Nordsachsen oder das Muldental Angsträume für alle Menschen sind, die nicht der von Nazis gesetzten Norm entsprechen, ist hinlänglich bekannt.

In den letzten Jahren war aus Orten wie Delitzsch nicht mehr viel zu hören. Dies liegt aber nicht an den schwächer gewordenen Nazistrukturen, sondern daran, dass es nur noch sehr wenige Menschen gibt, die in das Feindbild der Nazis passen oder die von ihren Aktivitäten berichten könnten. Die meisten linken Menschen haben die Orte verlassen – und wer will es ihnen verübeln. Damit sind viele Dörfer und kleinere Städte fest in der Hand von Nazis. Lediglich die Polizei berichtet hin und wieder noch von regelmäßig gesprühten Hakenkreuzen und anderen nazistischen Aktivitäten in der Region. (mehr…)

Zu den Vorfällen vom 20.03.2012

Laut einer Polizeimeldung gab es einen Übergriff von „fünf vermeintlich Linke[n] […] auf vier vermeintlich Rechte“

Betroffene schilderten die Vorfälle wie folgt:

Gegen 18 Uhr traf eine SMS mit dem Inhalt „kommste mal stadtpark? Faschos wollen uns killen“ ein, woraufhin sich drei Personen auf den Weg in den Stadtpark machten. Dort trafen sie sechs bekannte Rechte an, die teils in Kampfmontur da standen und sich schwarze Handschuhe, wahrscheinlich mit Quarzsand gefüllt, anzogen, als sie die drei erblickten. Die Gerufenen wollten dennoch wissen, warum Drohungen gegen minderjährigen Jugendlichen ausgesprochen wurden, worauf die Rechten anfingen zu pöbeln. Die Situation eskalierte, als ein Rechter einen metallenen Gegenstand aus der Hosentasche zog. Aus Angst stieß der Gegenüber die Person von sich, worauf es eine kurze Rangelei zwischen beiden Seiten gab. Kurz darauf begaben sich zwei Personen auf den Weg nach Hause, die andere Person wartete noch auf einen Bekannten. Kurze Zeit später traf die Polizei ein und nahm die Personalien auf. In dieser Zeit kam der bekannte rechte Schläger Michael W. hinzu und sprach im Beisein der Beamten der „übriggebliebenen“ Person die Morddrohung „dir jag ich eine Kugel durch den Kopf“ aus. Auf Nachfrage ob die Beamten diese vernommen hätte, wurde entgegnet, dass sie vernommen wurde und M. W. bekannt sei. M. W. machte sich unbehelligt weiter auf die Suche nach vermeintlich Linken. Auf diese traf er auch. Er stellte die zwei, die sich auf dem Weg nach Hause befanden und fing sofort an zu drohen. Bei diesem Einschüchterungsversuch zog M. W. ein Messer und machte Anstalten, auf einen Jugendlichen loszugehen. Es wurden weitere Drohungen ausgesprochen, Limbach-Oberfrohna sei eine nationalbefreite Zone und gewisse Personen würden in nächster Zeit abgestochen. Nach diesen Drohungen verzogen sich die Rechten.

Quelle: http://mthielicke.blogsport.de/2012/03/21/zu-den-vorfaellen-vom-20-03-2012/

Im Osten nichts Neues. Gegen Nazis und rechte Alltagskultur.

+++Aufruf zur Demonstration am 24.03.2012+++

Im Frühjahr 2008 zogen hunderte Menschen durch den Leipziger Osten und demonstrierten gegen die vorhandenen Nazistrukturen und die bis dato mehrheitlich untätige Bewohner_innenschaft.
Damals gelang es, den organisierten Nazis Einhalt zu gebieten. Mit dem Zuzug von Studierenden und linksalternativen Menschen veränderte sich das Klima im Stadtteil. Außerdem entstanden in dieser Zeit im Osten verschiedene Orte für linksalternative Kultur- und Politikprojekte und Personen.
Doch spätestens seit Herbst 2011 bekommt das Bild vom Wandel im Leipziger Osten einen deutlichen Riss.

Mittel zum Zweck?

Zwischen November 2011 und Februar 2012 nutzten Personen, die der Leipziger Naziszene angehören, eine Wohnung in der Langen Straße 15 (Zentrum-Ost) als semi-öffentlichen Party- und Veranstaltungsraum. Darunter waren bekannte Gesichter der Leipziger NPD sowie der gewaltbereiten, rechtsorientierten Fußball-Fanszene, Akteure die bis 2011 das NPD-Zentrum in der Odermannstraße in Lindenau als Domizil nutzten.
Bei Feiern im Erdgeschoss der Langen Straße 15 am Abend des 9. Dezember 2011 und in der Silvesternacht kam es zu massiven verbalen Beleidigungen und Sachbeschädigungen, was die Anwesenheit der neuen Nachbarn für die Anwohner_innen der gesamten Langen Straße zur realen Bedrohung machte.
So geriet auch das translesbischwule Projekt „RosaLinde“, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft befindet, in den Fokus der Nazis. Pöbelnd und „Sieg Heil“-rufend provozierten diese vor deren Räumlichkeiten.

Versuche von verschiedenen Seiten, Kontakt mit der Eigentümerin des Hauses aufzunehmen, scheiterten und blieben unbeantwortet. Erst der Druck der Öffentlichkeit schien der Eigentümerin eine Reaktion zu entlocken. Nach Pressemitteilungen und mehreren Berichten in verschiedenen Medien blieben oben genannte Personen der Langen Straße fern.

Offensichtlich ist der Eigentümergesellschaft „Kling-Group“ ein guter Ruf in der Öffentlichkeit wichtiger, als die Sicherheit der Bewohner_innen in von ihr vermieteten Häusern. Der gesamte Verlauf der Auseinandersetzung mit den Nazis und die Verweigerungshaltung der Eigentümerin lassen den Verdacht aufkommen, dass die Nazis hier als Mittel zur Entmietung genutzt werden sollten.

Herrenausstatter!

Zeitgleich – am 4. Dezember 2011 – eröffnete im Stadtteil Leipzig-Reudnitz, im Täubchenweg 43b, ein Geschäft mit dem Namen „Fighting Catwalk“. Das Geschäft ist nach einem gleichnamigen Online-Versandhandel für Kleidung und Kampfsport-Utensilien benannt. Geschäftsführer des Ladens ist Christian Pohle, der sich im gewaltbereiten Fanumfeld des 1. FC Lok Leipzig bewegt.
Der kampfsporterprobte Christian Pohle kämpfte in der Vergangenheit auch für den Boxverein „Fighting Fellas Wurzen“. Einzelne Mitglieder des Vereins waren 2009 an einem gewaltsamen Überfall auf Spieler und Fans des Roten Stern Leipzig in Brandis beteiligt.
Das Sortiment des „Fighting Catwalk“ umfasst, neben einschlägigen Hooligan-Marken, vor allem Waren der bei Nazis beliebten Kleidungsmarke „Thor Steinar“. In den Kollektionen der Marke finden sich deutliche Anspielungen auf die NS-Geschichte und den deutschen Kolonialismus. Christian Pohle stellt mit seinem Ladengeschäft ein Stück Infrastruktur für die lokale Naziszene und bündelt und vernetzt einschlägiges Klientel.

Im Osten nichts Neues

Bereits in der Vergangenheit gab es im Leipziger Osten gehäuft rassistische Übergriffe, Nazidemonstrationen und Überfälle auf linke Wohn- und Kulturprojekte. Der Stadtteil galt als Hauptaktionsfeld der sich reaktivierenden Naziszene. Im Winter 2008 griffen Mitglieder der Freien Kräfte Leipzig mehrfach ein Wohnhaus in der Holsteinstraße an und versuchten so im Stadtteil eine Drohkulisse aufzubauen.
Weitere Aktionen durch Nazis gegen Menschen, die nicht ins rechte Weltbild passen, folgten und wurden durch die Anwohner_innen größtenteils geduldet.
Als Gegenpol zu diesen Widerlichkeiten gründete sich das linke Ladenprojekt Atari, welches seitdem immer wieder Zielscheibe von Naziangriffen ist.
Damals gelang es, organisierte Strukturen zu verdrängen, jedoch ist und war das noch kein Grund zum Feiern, da sich rechtes Gedankengut und rechte Alltagskultur beständig halten. Die Demonstrationen anlässlich eines Sexualmordes an einer Minderjährigen im Sommer und Herbst 2008 zeigten, wie anschlussfähig rechte, autoritäre Einstellungen sind. Zahlreiche Stadtteilbewohner_innen demonstrierten damals Hand in Hand mit organisierten Nazis unter dem Motto: „Todesstrafe für Kinderschänder“.
2010 wurde in Volkmarsdorf zur Gründung einer Bürgerwehr gegen die im Stadtteil lebenden Roma aufgerufen. Mit dem Aufruf zeigten sich die antiziganistischen Ressentiments und Anfeindungen von breiten Teilen der Bewohner_innenschaft ganz offen und wurden mit tatkräftiger Unterstützung der NPD auf die Spitze getrieben.
Diese Einstellungen drückten sich auch in den Ergebnissen der letzten Wahlen aus: Im Leipziger Osten konnte die NPD zu den Kommunal- und Landtagswahlen 2009 die stadtweit besten Ergebnisse erzielen.

Keine Atempause

Wir haben uns zusammengeschlossen, um den aktuellen Entwicklungen etwas entgegenzusetzen: Wir finden es zum Kotzen, dass Ladengeschäfte und andere Räume ohne Bedenken an Nazis vermietet werden. Wir finden es unerträglich, dass rechte Ideologien gesellschaftsfähig sind. Wir nehmen es nicht länger hin, dass sich Stadteilbewohner_innen in Nazidemonstrationen einreihen oder wegschauen, wenn Menschen diskriminiert werden. Wir wollen nicht länger in einem chauvinistischen, autoritären Umfeld leben.

In den letzten Jahren rückte das Nazizentrum in der Odermannstraße in Leipzig-Lindenau zurecht in den Fokus der Öffentlichkeit und der antifaschistischen und zivilgesellschaftlichen Aufmerksamkeit. Hier fanden zahlreiche Aktionen gegen Nazismus und Diskriminierung statt. Diese Aktivitäten wollen wir nun auch in den Osten der Stadt tragen.

Uns eint das Ziel eines angstfreien Zusammenlebens, das Ziel ein Alltagsklima zu schaffen, das frei von Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Sexismus sowie jeder Form von Ausgrenzung und Abwertung von Menschen ist. Im Leipziger Osten, wie überall.

Wir lassen uns diese Zustände nicht länger bieten.

Deshalb: Kommt zur Bündnisdemonstration am 24. März 2012!

12 Uhr, Friedricht-List-Platz



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