Tag-Archiv für 'alternative-freiräume'

Über die Notwendigkeit alternativer Freiräume

Es könnte doch so schön sein…
Stellt euch nur einmal vor, es gäbe einen Ort, an dem junge Menschen frei von den Zwängen der kapitalistischen Konsumgesellschaft gemeinsam ihre Freizeit verbringen könnten, zusammen leben könnten. Orte, an denen sie nicht aufgrund ihres Aussehens, ihrer Herkunft, ihres Geschlechtes oder ihres sozialen Hintergrundes ausgegrenzt und diskriminiert werden. Einen Ort an dem Mensch sich politisch bilden und in einer Gemeinschaft kreativ sein kann, sich über seine eigenen Bedürfnissen klar werden und diesen auch nachgehen kann, um eben nicht nur passiver Konsument zu sein und der Erfüllung von Wünschen nachzujagen, die die Medienlandschaft in uns weckt. Dies wären Orte, an denen Mensch nicht immer nur das fressen müsste, was einem in dieser Gesellschaft von den Herrschenden auf den Teller geklatscht wird. Orte, an denen Mensch die Möglichkeit hätte, auch einmal NEIN zu sagen, um sich emanzipiert von herrschenden Verhältnissen zu bilden und seine Freizeit und sein Leben zu verbringen.
Solche Orte nennen wir Freiräume. Doch, wenn das alles so toll klingt, wo sind die Freiräume dann und warum haben wir immer wieder das Gefühl, dass uns bei der Etablierung und Verteidigung solcher Räume Steine in den Weg gelegt werden?

Weil die Realität leider anders aussieht…
Es gibt in unserem schönen Land genug Möglichkeiten, seine Freizeit zu verbringen. Wir können doch für 7 Euro pro Vorstellung ins Kino gehen, oder uns neue Klamotten im Einkaufszentrum kaufen, damit wir auch am nächsten Tag in der Schule, der Ausbildungsstätte oder der Arbeit den neuen Trends folgen können. Warum setzen wir uns denn nicht mit unsren FreundInnen in die Innenstadt und essen einen leckeren Eisbecher für 6 Euro – und am Wochenende bleibt ja immer noch die Disco, in der Mensch sein Geld dann auch recht leicht für überteuerten Eintritt und überteuerte Getränke ausgeben kann, um dann noch Zeuge von deutschem Mackertum und Sexismus in Reinform werden zu dürfen. Und alle die bemitleidenswerten Geschöpfe, die für all dies keine Kohle haben, die bleiben halt einfach zu Hause in ihrem Zimmerchen und zocken Egoshooter am PC oder haben über Glotze die Möglichkeit, am Leben anderer, erfolgreicherer Menschen teilzuhaben.
ZU SOLCHE EINER REALITÄT SAGEN WIR NEIN – UNSERE ANTWORT: SELBSTORGANISIERTE FREIRÄUME

Provinz macht mobil!

Dem politischen Bildungsverein „solid“ kam vor wenigen Tagen der Mietvertrag für die „Brauerei“ zu. Doch leider entfaltete sich die erste Freude in Unmut um. Der Vertrag besagt, dass keinerlei Veranstaltungen in dem Gebäude durchgeführt werden dürfen (welche zur Finanzierung des Projektes benötigt werden). Desweiteren beträgt die Miete für das Objekt knapp über 240€ Kaltmiete. Es kommen also noch Wasserkosten, Stromkosten, Müllentsorgungskosten (usw.) dazu.
Der politische Bildungsverein setzt sich nun intensiv mit dem Vertrag auseinander.
Weitere Informationen folgen demnächst.

Text?

Geringswalde, eine kleine Provinz im Altlandkreis Mittweida, ohne Touristenattraktionen, mit Schafen und Feldern und ca. 4500 Einwohnern. Eigentlich nie der Rede wert gewesen….! Wäre da nicht die kleine Nebensache, dass hier die Linke einst mit 52% regierte. Hier und da seltsame Menschen, umgangssprachlich als Punker bekannt, um herzogen und es gleich zwei alternative Freizeittreffs gab. Die Linke, aus Personalmangel nicht mehr groß da, die alternativen Jugendtreffs vom neuen Bürgermeister geschlossen und statt bunten und alternativen Menschen tummeln sich nun hier und da jene, die mangels Bildung, mangels Freunden und mangels gesellschaftlichem Zugehörigkeitsgefühl sich die Haare kurz scherten, heimattreue Lieder singen und gewalttätig gegen die vorgehen, die nicht in ihr völkisches Weltbild passen.

Wir stellen fest, dass die Schafe und Felder geblieben sind. Was ist geschehen?
Als im vorigen Jahr ein neuer parteiloser Bürgermeister gewählt wurde, weil kein Linker zur Verfügung stand, zogen dunkle Wolken auf. Im November vorigen Jahres marschierten weniger als 100 Neonazis durch Geringswalde, und schüchterten damit den neuen Amtsinhaber derart ein, dass dieser zwei Tage später alle alternativen Jugendzentren schließen ließ. Die alte Mär von unnötiger Provokation, die von sich explizit als antifaschistisch verstehenden Menschen und Orten ausgehen würde, schien hier gewirkt zu haben und als vermeintliches Mittel im Kampf gegen Nazis müssen eben die links-alternativen Treffpunkte verschwinden. Seitdem ist rechtes Flair in der Stadt dominant. Doch das ist kein Zustand der so bleiben muss!

Denn es gibt doch Lichtblicke: ein kleiner Verein kämpft seit zwei Monaten darum in Geringswalde wieder ein alternatives Kulturzentrum zu errichten. Die Chancen stehen nicht schlecht. Verhandlungen mit dem Bürgermeister laufen bereits, ein Objekt wurde gefunden und Sponsoren und Unterstützer warten darauf, dass es los geht. Es wäre die Chance, in der Region um Mittweida wieder einen Stützpunkt für Nicht-rechte, für Alternative, für alle die zu schaffen, die sich antifaschistisch engagieren und sich kritisch mit der bestehenden Gesellschaft auseinandersetzen. Sicher ist der verhandelnde Verein „Solid“ für uns nicht das non-plus-Ultra. Wir denken allerdings, dass Differenzen hinter dem Ziel der Schaffung eines neuen Freiraumes zurückstehen sollten. Zeit für Debatten bleibt dann schließlich noch mehr als genug. Wir erklären unsere uneingeschränkte Solidarität – für ein neues alternatives Kultur- und Jugendzentrum in Geringswalde!
mit solidarischen Grüßen,

AARGB – (antifaschistische Aktion Rochlitz – Geringswalde – Burgstädt)

Auswertung Nachttanzdemo Dresden-23.Mai 2009

Text?

In Dresden demonstrierten am Samstagabend mehr als 500 Menschen friedlich für alternative Freiräume und eine lebendige Subkultur. Die Polizei achtet penibel auf das Einhalten der Auflagen während einige Nazis versuchen, die Demonstration mit Flaschenwürfen und Hitlergrüßen zu provozieren.

Nicht nur in Berlin wurde am gestrigen Abend demonstriert, in Dresden folgten mehr als 500 Menschen einem Aufruf für alternative Freiräume und lebendige Subkultur. Seit Jahren lassen Stadt und Polizei in der Landeshauptstadt nichts unversucht, um alternative Formen von Partykultur und politischem Leben zu verhindern. Immer wieder werden unangemeldete private Partys mit fadenscheinigen Argumenten durch die Polizei beendet und damit Menschen bewußt die Möglichkeit genommen, abseits von durchkommerzialisierten Partys zu feiern. Aber nicht nur solche Veranstaltungen sind das Ziel von übertriebenen Polizeieinsätzen. Nach dem vorzeitigen Ende einer friedlichen Demonstration gegen Europas größten Naziaufmarsch am 14. Februar, ließ die Stadt nur einen Monat später ein nur wenige Stunden besetztes Haus im an die Äußere Neustadt angrenzenden Hechtviertel durch die Polizei unter dem Einsatz körperlicher Gewalt räumen. Gründe genug, diese Zustände nicht länger widerspruchslos hinzunehmen und wie schon im vergangenen Jahr die Kritik daran auf der Straße sichtbar zu machen.
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Bilder: (aus Indymedia)

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