Text?

Die Zeiten, in denen Nationalstolz ausschließlich die Angelegenheit prügelnder und grölender Nazis war, sind lange schon vorbei. Gerade seit dem Mauerfall 1989 und verstärkt wieder in den letzten Monaten dreht sich nicht mehr nur an den Stammtischen, sondern vor allem in Polit-Talkshows und anderen öffentlichen Debatten vieles um die Frage, wie viel „gesunden Nationalstolz“ ein Deutscher haben sollte und vor allem warum. Bei Sabine Christiansen streitet man heftig, welche Partei – im Gegensatz zur NPD – den besseren und aufrichtigeren Patriotismus habe; bei den Protesten an Universitäten wird nicht mit den eigenen Bildungsverhältnissen, sondern mit der Sorge um den „Standort Deutschland“ argumentiert; und die Künstlervereinigung ANGEFANGEN rund um die Berliner Band Mia versucht alles, um eine völlige Identifikation mit „der Heimat“ möglich zu machen ohne dabei ein Geschichtsbuch auch nur anzufassen.

Es fertig zu bringen, stolz auf so etwas wie Deutschland zu sein, schaffen zwar offensichtlich nur Menschen mit völlig gescheiterten Existenzen: Menschen, die zu einfältig oder zu blöd sind, um an sich selbst etwas Positives oder Wertvolles zu finden. Doch fällt bei genauerer Betrachtung auf, dass Nationalismus nicht einfach nur strunzdumm, sondern oft auch gefährlich ist. Denn mit dem positiven Bezug auf das „Wir“ ist es nicht weit zur Bestimmung und Ausgrenzung des wie auch immer bestimmten „Anderen“. Dass z.B. die Popularität von rechtsextremen Kreisen und die Zahl der politisch rechts motivierten Morde in Deutschland immer gleichzeitig mit den öffentlichen Bekenntnissen zu einem „gesunden Patriotismus“ zunehmen, ist wohl kaum nur ein Zufall. Es ist also einmal mehr wieder an der Zeit, jegliche Form von Nationalismus, ebenso wie seine Grundlagen, rücksichtslos und scharf zu kritisieren.

Alter Wein in neuen Schläuchen
Wie bereits erwähnt, ist es wieder populär, in öffentlichen Debatten, im Fernsehen oder in Internetforen darauf zu pochen, dass man „sich als Deutscher fühlen will“, dass „Heimat alles ist“ oder dass „man guten Grund hat, auf viele Dinge in seinem Land stolz zu sein“. Schulterklopfend wird sich gegenseitig bescheinigt, dass man solche angeblichen Gefühle nicht von den Nazis vereinnahmen lassen und man risikobereit auch mal wieder das „verbotene D-Wort“ sagen wolle. Aber seit wann soll das denn bitte verboten sein? Stehen etwa ganze Berufsgruppen von Politikern, Talkmastern und Künstlern schon mit einem Bein in der Illegalität?
Der positive Bezug auf die Nation ist weder neu, noch wurde eine Mehrzahl von Leuten deswegen in den letzten Jahren ausgegrenzt. Vielmehr gibt es zahlreiche Begründungen, welche für die Rechtfertigung einer Nation oder eines Nationalgefühls herangezogen werden. Die meisten gibt es nicht erst seit diesem Jahrhundert, und falsch sind sie alle. Neben der Theorie, dass eine Nation nur bloße Zweckgemeinschaft von Individuen zur besseren Durchsetzung ihrer Interessen ist (darauf wird später näher eingegangen), liegt den meisten Rechtfertigungen die Annahme zugrunde, dass die Mitglieder einer Nation durch so etwas wie eine natürliche Volkszugehörigkeit vereint sind. Eine natürliche Begründung erfüllt hierbei den Zweck, dass es nun nicht mehr nötig erscheint, mit Vor- oder Nachteilen für die Individuen oder mit deren Entscheidungsfreiheit zu argumentieren. Schließlich kann man sich nicht gegen das wehren, was einem „natürlich“, also in den Genen liegend und von Geburt an unveränderbar mitgegeben ist.
Um so eine Kategorie wie „Volk“ überhaupt erst mal natürlich zu begründen, bedarf es allerdings schon einiger merkwürdiger Argumente. Angeblich werden wir Deutschen zusammengehalten durch eine gemeinsame Kultur o. Ä., welche uns quasi von Geburt anderen „Kulturen“ fremd macht. Nicht nur, dass diese angebliche „Kultur“ notwendig von ihren Befürwortern gegen zu große Einflüsse, z.B. durch sog. „Ausländer“ verteidigt wird, sollte Anstoß geben, derartige Kategorien abzulehnen. Es ist ferner schon mehr als abstrus, überhaupt eine kulturelle Gemeinsamkeit aller Deutschen zu behaupten. Was haben denn bitte die Holzschnitzer aus dem Erzgebirge mit dem Karneval im Ruhrgebiet oder dem bayrischen Weißwurstessen gemeinsam, außer dass sie unter dem Oberbegriff „deutsch“ gefasst werden? Und wieso sollte sich z.B. jemand, der gerne Diskos oder Konzerte besucht und Alkohol ebenso wie andere Drogen nimmt, positiv darauf beziehen? In deiner Umgebung sind sicherlich zahlreiche Deutsche, mit denen du nicht das geringste zu tun haben willst; und wer sagt denn, dass du dich nicht mit jemandem aus Paris oder New York viel besser verstehen kannst bzw. viel mehr „kulturelle Vorlieben“ teilst?
Noch weniger schlüssig als der Bezug auf die heutige Kultur ist zudem der schlichtweg lächerliche Verweis auf die „gemeinsame kulturelle Vergangenheit“, auf geschichtlich bedeutsame Menschen wie „unseren Goethe“. Was verbindet denn z.B. einen fernsehgeprägten Arbeitslosen aus Hoyerswerda mit Johann Wolfgang von Goethe – abgesehen davon, dass er möglicherweise in der Schule ein Buch von ihm lesen musste? Durch nichts außer der Beschäftigung mit seinen Werken kann man eine Verbundenheit zu Goethe erlangen und diese Werke sind weltbekannt und werden in zahlreichen Sprachräumen der Erde ebenso studiert. Womit wir bei einem weiteren oft benutzten Argument wären: der Verbundenheit durch eine gemeinsame Sprache. Zwar sprechen die meisten Leute in Deutschland vorwiegend Deutsch, aber zum einen wird Deutsch auch in Österreich und der Schweiz gesprochen und zum anderen hat Sprache nicht im geringsten etwas mit Natürlichkeit oder genereller Verbundenheit zu tun. Man kann sie nämlich ohne weiteres lernen.
Indem man also versucht, nationale Verbundenheit durch derartige Kategorien zu rechtfertigen oder besser gesagt, indem man überhaupt erst versucht, eine Nation völkisch-kulturalistisch zu begründen und als etwas Natürliches, sprich als vom einzelnen Menschen nicht veränderbar darzustellen, argumentiert man nicht nur zweifelhaft, sondern schlichtweg falsch. Hinzu kommt, dass – rein logisch betrachtet – mit der Behauptung, bestimmte Menschen gehören natürlich zusammen, bereits zahlreiche fatale Schlussfolgerungen gesetzt sind. Hier gilt: „Wer A sagt, muss auch B sagen“. Wer Menschen einem Volk zuordnet, der muss das immer zu Lasten der besonderen Unterschiede und Vorlieben der Individuen tun und macht sie durch die Reduzierung auf ihre sog. Volkszugehörigkeit zu bloßen Einheiten eines Kollektivs. Was den Menschen im Zuge einer solchen Argumentation fälschlicherweise ausmacht, sind nicht mehr seine persönlichen Besonderheiten, die Art, wie er sich zu seinen Mitmenschen verhält u. Ä., sondern im Wesentlichen seine Einordnung in eine Gruppe. Diese gedankliche Basis enthält schließlich auch den Nährboden für Forderungen, sich gemäß „der eigenen Kultur“ zu verhalten oder Menschen, die an der freien Auslebung ihrer Interessen interessiert sind, als „kulturlos“ oder gar „volkszersetzend“ zu diskriminieren. Die Zuordnung von natürlichen bzw. völkischen Eigenheiten kommt daher einer völligen Absage an Entscheidungsfreiheit und Individualität gleich. Die Vorlieben der Menschen haben eben kaum etwas damit zu tun, wie ihre DNA aussieht, welche Hautfarbe sie haben oder welche Nationalität auf ihrem Pass steht. Als gesellschaftlich geprägte Eigenschaften sind sie ebenso entwicklungsfähig wie veränderbar und dadurch keineswegs natürlich oder auf ewig gleich.
Wer also „Volk“ sagt und damit nicht nur Bevölkerung sondern eine natürliche bzw. unveränderbare Kategorie meint, wer verschiedene Nationen durch „verschiedene Völker“ begründen will, der erklärt dem individuellen Menschen ebenso wie der Forderung nach seiner Freiheit unweigerlich den Krieg.

Der Staat, der Staat …
Wie bereits oben schon kurz erwähnt, muss man keineswegs zwangsweise völkisch-kulturalistisch argumentieren, um die Existenz von Nationen zu rechtfertigen. Auch wenn in Deutschland die Vorstellung von „verschiedenen Völkern“ stark verbreitet und meistens der erste Schritt in die nationalistische Argumentation ist, so wird der Zusammenschluss zu einer Nation oft auch nur damit begründet, dass bestimmte Menschen sich vereinen, um ihre Interessen besser durchsetzen zu können und ihren Wohlstand zu erhöhen1. Nach diesen Theorien, welche auch einen erheblichen Teil des GK-Unterrichts einnehmen, wird der Staat oder die Nation als eine Art freiwilliger Vertrag zwischen all ihren Mitgliedern erklärt, um dem Einzelnen überhaupt erst den vollen Zugang zu den gesellschaftlichen Ressourcen zu ermöglichen und Dinge wie Arbeitsteilung, Bildung oder medizinische Versorgung zu organisieren. Dadurch werden dem Individuum zwar bestimmte Pflichten und Einschränkungen auferlegt (Gesetze, Steuern oder Wehrpflicht zum Beispiel), doch würde die Gesamtrechnung zu seinem Gunsten aufgehen. Auf diese Weise scheint der nationale Zusammenschluss auch ohne die wahnhafte Verteidigung völkischer Kategorien als sinnvoll einfach nur dadurch, dass eine gewisse Gleichheit der menschlichen Interessen bzw. ein allgemeines Verlangen nach Wohlstand und Sicherheit vorausgesetzt wird.
Bereits die Rede von einem „freiwilligen Zusammenschluss“ ist allerdings schon völliger Blödsinn. Jemand, der heutzutage nicht bereit ist, Steuern zu zahlen oder seiner Wehrpflicht (gegebenenfalls auch seinem Zivildienst) nachzukommen, wandert ins Gefängnis. Der Vereinigung „Staat“ oder „Nation“ tritt man nicht bei, es besteht von Geburt an eine Art Zwangsmitgliedschaft – ob man will oder nicht. Außerdem werden wir sehen, dass ein Zusammenschluss von Menschen nicht gleichbedeutend sein muss mit dem Zusammenschluss zu einer Nation. Diese Erklärung dient vielmehr nur der Verewigung bestehender Zustände und lässt daher grundlegende Eigenschaften der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft außer acht.
In ihr ist die Vereinigung von Menschen zu einer gemeinsamen Produktion und Gesellschaftsorganisation nämlich nicht einfach nur geprägt durch die individuellen Vorlieben von Menschen, sondern durch den Gegensatz von Kapitalisten und Lohnarbeitern. Es gibt in unserer Gesellschaft nämlich zum Einen Eigentümer von Produktionsmitteln wie Fabriken und zum Anderen Menschen, die außer ihrer Arbeitskraft nicht viel Verwertbares besitzen. Dieser Unterschied in den Eigentumsverhältnissen führt nun dazu, dass es den Eigentümern von Produktionsmitteln überlassen ist, eine gewinnbringende Produktion zu organisieren, indem ein gewisses Startkapital wie Maschinen, Räumlichkeiten, Rohstoffe und Geld dazu verwendet wird, Waren herzustellen, welche schließlich auf dem Weltmarkt verkauft werden müssen. Diese Rolle des Unternehmers stellt allerdings für den Kapitalisten keineswegs nur ein Privileg dar, sondern ebenso einen gewaltigen Zwang. Er ist nämlich unbedingt dazu verpflichtet, dass der Verkauf seiner Waren nicht nur seine Kosten deckt, sondern dass der Erlös davon mehr Geld hervorbringt, als investiert wurde. Schließlich muss er mit diesem Profit nicht nur seinen eigenen Lebensunterhalt finanzieren, sondern auch die Expansion und Weiterentwicklung seines Unternehmens. Bleibt er nämlich nicht auf der Höhe der Zeit, ist es aus mit dem gewinnbringendem Verkauf, da weltweit Kapitalisten um den profitablen Absatz ihrer Waren konkurrieren und sich somit immer weiter unterbieten müssen (sowohl was die Produktionskosten betrifft als auch im Bezug auf den endgültigen Warenpreis). Auch die zur Produktion notwendigen Arbeiter konkurrieren untereinander um den Absatz ihrer einzig nützlichen Ware: der Arbeitskraft. Im Zuge dieses weltweiten Hauen und Stechens nützt diese Form der Produktion weder den Arbeitern noch den Kapitalisten, da der einzige Zweck nur noch die Vermehrung von Geld um seiner selbst willen ist. Es wird investiert, vermehrt, der Konkurrenz wegen erneut investiert, wieder vermehrt und so weiter. Diese ständige Vermehrung von Geld bzw. Kapital bedeutet allerdings nicht nur die Versorgung derjenigen, die daran teilhaben (Kapitalisten und Arbeiter), sondern auch den Ausschluss vom gesellschaftlichen Reichtum für eine riesige Anzahl von Eigentums- und Arbeitslosen, was im Endeffekt dazu führt, dass bspw. in Ländern der dritten Welt zehntausende Menschen am Tag verhungern, da niemand am Kauf ihrer Arbeitskraft interessiert ist und ihnen so die einzige Möglichkeit an Geld zu gelangen verwehrt bleibt.
Nur vor dem Hintergrund dieser Produktionsform, welche nur an der ständigen Vermehrung von Kapital und nicht an den konkreten Menschen orientiert ist, lassen sich auch Nationalstaaten erklären. Denn sie sind nicht einfach nur eine Vereinigung von Menschen, sondern der Garant für die Aufrechterhaltung des selbstzweckhaften und menschenfeindlichen Kapitalverhältnisses. Dies soll nun an einigen Beispielen dargestellt werden.
Damit es bspw. zu einem Vertrag zwischen Arbeitern und Kapitalisten kommen kann, muss eine Rechtsform gegeben sein, die zum Einen die Gleichheit der Vertragspartner garantiert und zum Anderen beide zur Einhaltung ihrer Vereinbarungen zwingt. Diese juristische Gleichheit der Menschen ist zwar nötig, um Verträge untereinander schließen zu können, jedoch stellt sie überhaupt erst die Grundlage für die im Endeffekt realen Ungleichheiten dar. Zu behaupten, Menschen seien gleich, bedeutet heutzutage nämlich genauso viel, wie einen Leistungssportler und einen Kranken zum Wettlauf an der gleichen Linie starten zu lassen. Die angebliche Chancengleichheit sieht davon ab, dass Menschen in verschiedene Eigentumsverhältnisse geboren werden, ebenso wie sie verschiedene Bildungswege gehen oder andere körperliche und geistige Voraussetzungen haben. Damit bedeutet sie nichts anderes als die Zurichtung der Menschen auf die Voraussetzungen des Weltmarktes – und das Aus für diejenigen, die dem nicht gewachsen sind.
Auch die Behauptung, alle Menschen würden sich gegenseitig die Köpfe einschlagen, sich gegenseitig berauben und hintergehen, wenn es die Staatsgewalt nicht gäbe, gewinnt erst vor diesem Hintergrund Bedeutung. In einer Gesellschaft, in der alle Menschen hauptsächlich durch die Konkurrenz auf dem Weltmarkt in Beziehung zueinander treten, ist es selbstverständlich überlebensnotwenig, egoistisch zu sein und nur das eigene Auskommen im Sinn zu haben. Zu behaupten, dass dies natürlich und auf ewig unveränderbar ist, entbehrt allerdings jeglicher Grundlage und dient als Rechtfertigung für staatliche Gewalt nur der Aufrechterhaltung der herrschenden Ordnung.
Damit die ständige Vermehrung von Geld, das Kapitalverhältnis also, am Leben erhalten wird, bedarf es der Organisationsform in Nationalstaaten. Sie sind sozusagen die „ideellen Gesamtkapitalisten“, da sie zum Einen im Endeffekt vom Einzelinteresse ihrer Bürger absehen müssen, um genau diese allgemeine Geldvermehrung zu gewährleisten, und zum Anderen, da auch Nationalstaaten untereinander um Rohstoffe, Handelswege usw. konkurrieren und sich dabei gegenseitig versuchen auszustechen. Die Art, in der die drei Gewalten des Staates – Legislative, Judikative und Exekutive – organisiert sind, ist also auch nicht nur der Willkür Einzelner überlassen; genauso, wie der Vorrang des Kapitalverhältnisses nicht mit einem Vorrang der Kapitalisten gleichzusetzen ist. Diese Vorstellung von irgendwelchen „Multis“ oder geldgierigen Raffzähnen, welche im Hintergrund die Fäden ziehen und den Politikern ihre Handlungen diktieren, ist völlig absurd. Mindestlöhne, geregelte Arbeitszeiten, Streikrecht o. Ä. sind sogar im konkreten Fall ein Nachteil für den Kapitalisten, aber letztlich notwendig für das Kapitalverhältnis: Sie garantieren einen für die Arbeitskräfte erträglicheren Produktionsprozess und verhindern dadurch ein Aufbegehren weiter Bevölkerungsschichten. Im Endeffekt sind alle Unternehmer bzw. Unternehmen auf starke Nationalstaaten als politisch-militärische Helfer, als Rahmen für geregelte Produktion, als Garantierung einer stabilen Währung und Rechtsform usw. angewiesen, weswegen auch die Prognose ziemlich weit her geholt ist, sie würden sich zunehmend auflösen und internationalen Konzernen weichen.

Nationalismus vs. Befreiung
Ein positiver Bezug auf die Nation, nach Art eines „gesunden Patriotismus“ o. Ä., macht also nur Sinn, wenn man bereit ist, die jetzige Gesellschaftsform in Gänze zu akzeptieren. Will man sich in der menschenfeindlichen Realität von heute zurechtfinden und sozusagen „das Beste draus machen“, ist es durchaus plausibel, patriotisch den Vorrang der eigenen Nation zu fordern und zu unterstützen, da dies tatsächlich auch eine zuverlässigere Sicherung des eigenen Wohlstandes bedeutet. Wer allerdings Ja sagt zu Nationen – und dessen sollte man sich bewusst sein – der muss auch genug Konsequenz aufbringen, um Ja zu vielen tausend Hungertoten zu sagen, Ja zu Kriegen zwischen verfeindeten Nationen und Ja zu einer Produktionsform, in der man nur überleben darf, wenn man das Glück hat, der ständigen Vermehrung von Geld nützlich zu sein. Selbst wenn die Stärkung der eigenen Nation auch den eigenen Vorteil nach sich ziehen kann (was in einer Zeit, in der die Arbeitslosenzahlen ebenso steigen wie die positiven Wirtschaftsbilanzen sinken, immer unwahrscheinlicher wird), so stellt man sich doch damit klar auf die Seite einer Gesellschaftstheorie, die das menschliche Glück und die Freiheit des Individuums mit Füßen tritt. Nationalismus ist und bleibt eine menschenfeindliche Ideologie – egal ob aus völkisch-kulturalistischer Sicht oder aus der eines angeblichen Gesellschaftsvertrags.
Will man allerdings eine Position einnehmen, die eine Produktion und Verteilung nach menschlichen Gesichtspunkten fordert und die höchstmögliche Befriedigung aller Bedürfnisse organisieren will, bleibt nur zu sagen, dass Kapital und Nation scheiße sind und abgeschafft gehören.

Sisyphos

1 Die in diesem Text beschriebenen Theorien zur Beschreibung von Nationen beschränken sich auf eine sehr allgemeine Betrachtung. In der Realität war die Entstehung von Staaten selbstverständlich durch verschiedenste historische Gegebenheiten geprägt, weswegen die hier angeführte Kritik an Nationalstaaten zwar allgemein gültig ist, jedoch nicht fähig, den jetzigen Zustand in Gänze zu beschreiben. Die Entstehung Deutschlands und damit auch die Prägung „deutscher Traditionen“ hat bspw. kaum Gemeinsamkeiten mit der Entstehung der USA oder der Gründung Israels. Im Internet unter tomorrow.de.ms wird daher eine Version des Textes zu finden sein, welche durch verschiedene Exkurse versucht, weitergehende Probleme der Kritik an Nationen zu umreißen.



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